Rückblick – Liste (69)

Die Rückblicke in den Medien lassen es bereits erahnen: Das Jahr 2007 geht seinem Ende zu, Grund genug, nochmals über die wichtigsten Ereignisse nachzudenken. Ich nehme dies zum Anlass, eine kleine Serie zu starten, in der ich über die Texte reflektiere, die mich dieses Jahr beschäftigt haben, die mich besonders bewegt haben, oder ganz einfach, die es wert sind, nochmals gelesen zu werden.

Folgend eine Liste mit den (tlw. auszugsweise) gelesenen Texten (bzw. einer Auswahl) dieses Jahr:

  • André Gide: Les faux-monnayeurs
  • Alarcón Cristian: Der Robin Hood von San Fernando (–> Besprechung auf tink.ch)
  • Agotha Kristof: Le grand cahier
  • Friedrich Schiller: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua
  • Friedrich Schiller: Don Karlos
  • Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel
  • Pierre Corneille: Cinna
  • Max Frisch: Der Mensch erscheint erst im Holozän
  • Friedrich Schiller: Der Geisterseher
  • Kathrin Passig/Aleks Scholz: Lexikon des Unwissens (–> Besprechung auf tink.ch)
  • Friedrich Schiller: Don Karlos
  • Sophokles: König Ödipus
  • Shakespeare: Hamlet
  • G. E. Lessing: Minna von Barnhelm
  • G. E. Lessing: Emilia Galotti
  • Joseph Roth: April – oder die Geschichte einer Liebe
  • Heinrich von Kleist: Penthesilea
  • Joseph Roth: Das Spinnennetz
  • Joseph Roth: Das falsche Gewicht
  • Joseph Roth: Juden auf Wanderschaft
  • Martin Suter: Lila, lila
  • Martin Walser: Zimmerschlacht
  • Joseph Roth: Die Legende vom Heiligen Trinker
  • Thomas Mann: Der Zauberberg

und natürlich noch Aufsätze, die hier nicht erwähnt werden sollen oder ein Haufen angefangener Bücher, der noch auf darauf wartet fertig gelesen zu werden.

Weihnachten, weisse (68)

Die Wettervorhersagen für dieses Weihnachtsfest lassen den Verdacht auf eine realitätsfremde Sprache erhärten. Weshalb konserviert die Sprache mit dem stehenden Begriff der «weissen Weihnachten» eine Realität, die längst nur mehr Wunschvorstellung oder gelebte Fiktion ist
Warum finde ich im Duden nicht Folgendes:

Weihnachten, weisse: die; -; veraltend für durch Schnee geprägte Weihnachten, nur noch in Alpen- oder Industriegebieten gebräuchlich.

So oder ähnlich nämlich könnte man sich einen Eintrag im Wörterbuch vorstellen. Dies aber nur, wenn man den Vorhersehungskünstlern im Fernsehen (oder andernorts) Glauben schenkt. Schliesslich sollen die Weihnachten dieses Jahr in den meisten Gebieten nicht mehr weiss werden. Wenn man seine Siebensachen packt, kann man dennoch Schnee sehen.

Falls Weihnachten mit echtem Schnee tatsächlich ein Auslaufmodell sein sollten, kann man sich immer noch mit künstlichem Schnee beliefern lassen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Herr Bucheli kann dann am TV-Gerät erzählen, was er will, die Weihnachten werden trotzdem weiss. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nur eines darf nicht passieren: Weihnachten nicht weiss oder der Stempel veraltend im Duden.

Schöne Weihnachten! (67)

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen schöne Weihnachten! Möge es euch besser ergehen als dem Kellner am Weihnachtsabend.

Der Weihnachtsabend des Kellners

Aller Welt dreht er den Rücken,
und sein Blick geht zu Protest.
Und dann murmelt er beim Bücken:
«Ach, du liebes Weihnachtsfest!»

Im Lokal sind nur zwei Kunden.
(Fröhlich sehn die auch nicht aus.)
Und der Kellner zählt die Studen.
Doch er darf noch nicht nach Haus.

Denn vielleicht kommt doch noch einer,
welcher keinen Christbaum hat,
und allein ist wie sonst keiner
in der feierlichen Stadt. –

Dann schon lieber Kellner bleiben
und zur Nacht nach Hause gehn,
als jetzt durch die Strassen treiben
und vor fremden Fenstern stehn!

(Erich Kästner)

Kreative Karten (66)

Zurzeit sind im Fotomuseum zu Winterthur kreative Ansichtskarten als frankierte Fantastereien zu bestaunen. Bilder von Avantgarde-Künstler ziehen den Bann auf sich, jedes einzelne für sich sprechend, teilweise aber auch innerhalb einer Gruppe von Karten mehr aussagend.

Erstaunlich ist vor allem eines: Trotz der technischen Möglichkeiten, die heute mit Photoshop und ähnlichen Softwarepaketen sind die Karten heute nicht unbedingt kreativer geworden. Collagen, die wohl noch wirklich etwas mit Leim zu tun hatten, zeigen äusserst skurrile Sujets und Zukunftsvisionen von bekannten Grossstädten wie Berlin, Hamburg oder Paris.

Und noch eines: Die Imaginationen im Pfeifenrauch oder in der Seifenblase. Die leere Seifenblase mit der Aufschrift «Ce qui nous manque à tous.» Und dieses fehlt uns wohl heute noch mehr denn je. Postkarten könnten anstelle von allzu kitschigen Portraitaufnahmen der Sehenswürdigkeiten einer repräsentationswürdigen Stadt ruhig noch ein bisschen mehr Kreativität vertragen, denn gerade diese Alltagspostkarten zeigen es, dass die Fotomontage nicht Ausgeburt des Digitalen sind. Vielleicht zeigen die Karten aber auch, dass Kreativität nicht aus dem Computer kommt?

Immer wieder besuchenswert, dieses Fotomuseum.

An den Kindergarten erinnert (65)

Beim Umherfahren erinnert man sich manchmal an etwas. Im Bus waren so viele aufgeregte Kindergarten-Gesichter zu sehen (obschon gar kein Schulanfang war). Aber es war eigentlich gar nicht das, was an den Kindergarten erinnerte.

Vielmehr war es der Buschauffeur, der mit seinen Ansagen die Busfahrt in ein richtiges Abenteuer verwandelte. Nein nicht der Buschauffeur; derjenige im Kindergarten. Er war jeweils der «luschtigi Busschöfför». Es ist unerklärlich, weshalb man diesem Buschauffeur nur das Prädikat lustig verliehen haben, denn hätte er ein grösseres Wort verdient. Daran müsste man sich eigentlich erinnern.

Man wurde begrüsst mit der typischen Flugzeugbegrüssung (als Kind muss man schliesslich wissen, wie sich typische Flugzeugansagen anhören). Mit diesem Pilot-/Buschauffeur war die kurze Strecke noch viel schneller fertig als normalerweise, denn ein Flugzeug muss ja schneller sein als ein normaler Bus, sonst wäre da gar kein Witz dabei. Die Kinder waren überzeugt, der Buschauffeur werde sie irgendwann einmal in einem richtigen Passagierflugzeug statt dem alten Saurer-Bus begrüssen.