Eingefleischt

Am Radio mit halbem Ohr zugehört, wie jemand von Religionen gesprochen hat. Er erzählt, dass es plötzlich der Wunsch des Geistes geworden sei, auch Material zu werden, denn am Anfang sei alles geistig gewesen. Statt von Inkarnation oder Fleischwerdung hat er dann von Einfleischung gesprochen.

Zuerst herrschte Verwunderung über dieses Wort. Dann fand ich es schön, weil es so wunderbar materialistisch klang, und so den Prozess viel eher wiedergeben konnte: Ein-fleischung und Ein-Fleischung.

Schlussendlich dieses synaptische Klicken bei einfleischen: Ein direkter Verweis zum Text von Stifter, über den ich gerade arbeite, eine Erzählung, die von einem Granitblock umrahmt ist, deshalb wohl «Granit» heisst, und in der Studienfassung noch «Die Pechbrenner» betitelt war. Und eigentlich sind es ja auch gleich zwei Erzählungen in einer, denn der Grossvater beruhigt seinen Enkel mit einer Binnenerzählung von seinem Pech (in beiden Sinnen).

Nun aber zum synaptischen Klicken, zum eigentlichen Ursprung des Traumas, das durch die Pechgeschichte entsteht: «Was hat denn dieser heillose eingefleischte Sohn heute für Dinge an sich?» (S. 22) Und natürlich: Es ist Pech, was dieser Sohn an seinen Füssen hat.

Literatur: Stifter, Adalbert: Granit. In: Derselbe: Bunte Steine (hrsg. von Helmut Bachmaier). Stuttgart: Reclam, 1994.

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