Linkeria #4 (Woche 39, 2009)

Linkeria: Jeden Samstag 3 Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten aus dem Web. Anregungen werden gerne per Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch

Linkeria #3 (Woche 38, 2009)

  • The Manhattan Streetcorners: Fotografien aus dem Alltag Manhattans. Richard Howe fotografierte zwischen März und Oktober 2006 jeden Ecken Manhattans. Im Internet gibt es eine Vielzahl von Fotos aus diesem Projekt.
  • Bücher zum Trost: Interview der Zeit mit Michael Krüger, dem Verleger des Hanser-Verlags zu Büchern. Die Eigenschaften des Verlegers in Krügers Auffassung: «Er muss seine Bücher lieben und wissen, welchen Platz sie im Idealfall einnehmen können. Bei jedem Buch muss er vor sich sehen, welche Leser es mögen könnten, welche Art von Leser.»
  • «Redefreiheit für alle ist unsinnig»: Ein Text aus dem Reisetagebuch von Matthias Daum, der über die chinesische Perspektive auf Individualität und Mehrheit berichtet. Unterwegs in China zeigt Matthias Daum in seinem Blog bei der NZZ, wie Chinesen sehen.

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Linkeria #2 (Woche 37, 2009)

  • Strukturierte Prokrastination: Wie man sich Prokrastination zunutze machen kann. Sammlung von Essays des Stanford-Philosophieprofessors John Perry über die Vorteile von (strukturierter) Prokrastination. Zum Beispiel: Prokrastination als Perfektion oder über horizontale Organisation und anderes.
  • Maker’s Schedule, Manager’s Schedule: Die einen haben ihren Tag in Halbtage, die anderen in Slots eingeteilt. Es sind zwei verschiedene Arbeitskulturen, die sich nicht wirklich miteinander vertragen: Termine können einem Macher den ganzen Tag (und die Arbeit, die man an diesem Tag geschafft hätte) versauen, während der Tag des Managers aus Terminen besteht. [via sandbox-network]
  • Reisebilder der Zeit: Wie der Text des Links sagt: Eine Serie von Reisebildern, die auf dem Portal der Zeit erschienen sind.

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An den Flüssen

Die beiden Bücher, die ich zuletzt gelesen habe, kreisen beide um Flüsse. Hugo Loetschers War meine Zeit meine Zeit und Ilija Trojanows An den inneren Ufern Indiens.

Bei Hugo Loetscher hat Zeit viel mit dem Charakter ihrer Tätigkeit zu tun: sie fliesst und manchmal zerfliesst sie. Loetscher überspringt Flüsse, um immer wieder an «seine Sihl» zurückzukommen, an dessen einen Ufer er die Kindheit und am anderen Ufer sein Leben verbracht hat. Von vielen anderen Ufern schreibt Loetscher in seinem Buch, das wie ein Rückblick auf ein Leben anmutet, das viel unterwegs war.

Dabei verbinden sich Bilder aus Buchstaben, die aus dem Bereich der Flüsse zehren, aber auch Landschaften einschliessen wie die Alpen oder die Karpaten. Aus den Buchstaben werden nicht nur Bilder: auch klanglich ist das Werk eines, das von Reife zeugt: Nicht aufgeregt im Ton, manchmal fast schon träge, aber immer schön ruhig sind die Anekdoten aus Loetschers Leben erzählt.

Dennoch: eine Reihung von Anekdoten dürfte man das Buch nicht nennen, es ist viel tiefsinniger und weiter schürfend als kleine Anekdoten, die schnell erzählt, aber genauso schnell wieder vergessen sind. Man hat es auch mit höchst philosophischen Fragen zu tun, die damit zusammenhängen, wie wir in die Welt kommen, wenn wir ungefragt daherkommen oder wieder davongehen.

Ilija Trojanows Bericht über eine Reise der indischen Art: Sie führt entlang des Ganges, der liebevoll Ganga genannt wird, wie der Fluss in Indien genannt wird. Auf der Strecke sammeln sich Menschen und deren Geschichten an, die mit Religiösem, Lokalem und Internationalem verknüpft sind. Die Geschichten, die sich am Lauf des Ganges abgespielt haben, erzählt Trojanow hier.

Die Bücher:

  • Hugo Loetscher: War meine Zeit meine Zeit. Diogenes, Zürich 2009.
  • Ilija Trojanow: An den inneren Ufern Indiens: Eine Reise entlang des Ganges. Hanser, München 2003.

Linkeria #1 (Woche 36, 2009)

  • Drei Definitionen eines Lesers: Die ganze Evolution des Lesens: Ein Leser unter dem Baum, ein Leser als Arbeiter und zuletzt die Lesemaschine (dazu gibt es auch einen Link). Mandy Brown beschreibt schön diese drei Stationen des Lesens in ihrer wunderbaren Working Library, die man am ehesten mit Präsenzbibliothek übersetzen könnte, aber damit auch die ganze Bibliothek entmystifiziert, weil das Lesen aus dieser Art der Bibliothek so sehr nach Arbeit klänge. Ausserdem ist der Artikel zu den Lesetypen auch ein Teil des Argumentariums gegen Feedreader.
  • Series and Databases: Ivan Hagedoorn, selbst Fotograf, Choreograf  und Forscher, macht sich darüber Gedanken, wie sich die Fotografie mit der Zuhilfenahme von Datenbanktechnik verändert. Dabei skizziert er den Weg vom traditionellen Take, der an einem Ort stattgefunden hat, bis zur Fotografie, die Fotos mit Tags versieht und über Schlagworte Zusammenhänge herstellt.
  • Deutsch ist wie eine Hausfrau: Surreale Fragen von Roger Willemsen an Maria Cecilia Barbetta, die aus Argentinien kam und deutsch schreibt: «Die deutsche Sprache fungiert als Aushängeschild. Sie ist die Tür in andere Wirklichkeiten, seien Sie sich dessen gewiss.»
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