Die einen sind auf ihren Tastaturen unterwegs wie Flughunde. Die Bemerkung der Kollegin, sie komme sich in der Bibliothek vor wie im Grossraumbüro vollzieht sich nach, mit der Beifügung, aber eben auch ein bisschen wie im Wald, wo sich die Hunde zu Hause fühlen. Und ein halber Wald ist es ja wirklich, so viel ist noch unelektronisch. Dann erinnert die Nachbarin nebenan allerdings an Lady Gaga, also doch eher eine Disco mit Stöpseln.
Monthly Archives: März 2010
Linkeria #26: Buchstabenmeer (Woche 9, 2010)
- In Defense of Readers: Mandy Brown von A Working Library schreibt neuerdings auch für A List Apart. Auch hier schreibt sie für Leser. Wenn sie den Leser verteidigt, verteidigt sie die Solitude, in der Lesen passiert: «Reading is a necessarily solitary experience—like dying, everyone reads alone—but over the centuries readers have learned how to cultivate that solitude, how to grow it in the least hospitable environments.»
- Books in the Age of the iPad: Craig Mod über Inhalte, die man gut am iPad lesen kann. Und über Bücher, die Bücher bleiben müssen. Statt tote Bücher um die halbe Welt zu fliegen, möchte er von den digitalen Distributionskanälen profitieren: «You already know the potential gains: edgier, riskier books in digital form, born from a lower barrier-to-entry to publish. New modes of storytelling. Less environmental impact. A rise in importance of editors. And, yes — paradoxically — a marked increase in the quality of things that do get printed.» [via anmut und demut]
- Microsoft’s Courier ‘digital journal’: Der letzte Schrei aus Microsofts Häfen. Ein digitales Moleskine. Warum nicht schon eher?
Jeden Samstag 3 Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten aus dem Web. Anregungen werden gerne per Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch
Hacking Text
Internet ist frei von jeder Romantik. Es hat die wirtschaftlichen Ströme revolutioniert: Wir können jederzeit wissen, wo sich unsere Pakete befinden, wohin die Waren geschickt werden und woher sie kommen. Wir haben alle Informationen.
Und doch nicht: Viele Texte sind nicht online greifbar oder nur gegen Plastik. Das Problem besteht aber schon seit den Anfängen von Hypertext, wie Mai 1991 beschrieben hat:
«The most important question from a Kristevian point of view is again a political one: who provides, under which conditions, which kind of access to whom. Current database management is conspicuously concerned with questions as to which ‹privileges› are accorded to which users. Only an accomplished hacker would be ‹intertextually free› (in Barthesian sense) to follow up any kind of textual connection – but, at the same time, subject to legal restrictions which try to secure the private property of information.» (50–51)
Nur Hacker sind in intertextueller Freiheit. Müssen Leser Hacker werden? Internauten aller Welt, vereinigt euch!
Literatur:
Mai, Hans-Peter (1991): Bypassing Intertextuality. Hermeneutics, Textual Practice, Hypertext. In: Plett, Heinrich Franz (Hg.): Intertextuality. Berlin: de Gruyter (Research in text theory, 15), S. 30–59.
Abstrakte Kunst
Literaturwissenschaftler sind Abstraktionskünstler.
Wissenschaftler Abstraktion.
Wissen trakt.
