Alle Beiträge von Claudio

Frühling bei Nebel

Woran merkt man bei Nebel, dass der Frühling da sein muss? Die Kindergartenkinder gehen ihres Weges und freuen sich auf Nachmittage im Schwimmbad. Die Kleinen überbieten sich in Phantasien, geben an, zehn Meter zu können. Was, vom Zehnmeter springst du? – Nein, ich kann zehn Meter schwimmen.
Und das an einem Tag, an dem man kaum den nebenan sehen kann.

Büchermenschen

Heute mit Hilde Domin im Kopf in die Stadtbibliothek gegangen, das war noch da aus einem Gespräch mit einer Schülerin. Ein paar Bücher holen, wie man das immer tut, aber mit offeneren Augen: Darum entdecke ich, dass dort in der Handschriftenabteilung ein Ausschnitt aus dem Gästebuch der Literarischen ausgestellt ist. Sie war im Jahr 1975 zu einer Lesung in der Literarischen und bedankt sich im Gästebuch für den schönen Abend. Das sind so schöne Erlebnisse im Leben eines Büchermenschen.

Avocadoland

Es war ein gutes Jahr, das letzte. Es gab zwei Mal Erdbeeren- und zwei Mal Spargelsaison. Wir genossen die Erdbeeren besonders mit Granolamüesli und Jogurt. Langsam gewöhnten wir uns an die Läden. Und immer waren wir restlos überfordert, wenn wir vor dem Jogurtgestell standen. Oft entschieden wir uns für griechischen Naturjogurt, den es in mehrfacher Ausführung gab, denn mit Milchprodukten kennen sich die Neuseeländer gut aus.

Der Spargel war kleiner und dünner, als wir ihn kennen. Wunderbar an Nudeln zu machen. Denn das war unserer Hauptnahrungsmenü in den Motels: Nudeln mit Spargel und Tomaten. Und irgendetwas mit Avocado dazu. Als Europäer hat man völlig falsche Vorstellungen von Avocado. Zwar sind sie gekennzeichnet als sofort genussreif, mit reif haben Avocado in der Schweiz aber gar nichts am Hut. Die Avocados reifen am Baum, es gibt Avocadopflanzungen, das ist so ein Unterschied, wie wenn man Wintertomaten mit Tomaten vom Balkon vergleicht.

Neben diesen kleinen Alltagswundern haben wir beim besten Italiener der Welt gegessen, in einem Restaurant gegessen, wo wir uns wunderten, warum alle Chinesen Filet Wellington assen, vorbestellt notabene. Einmal unser bestes Barbecue verspiesen nach einer Kajaktour. Und nach all den Pork Bellys und Fisch in allen Varianten freuten wir uns immer wieder, wenn wir auch einmal ein vegetarisches Restaurant fanden. Auch wenn wir dann immer daran denken mussten, wie das eine Brunchrestaurant mit dem Motto überschrieben war, dass nur Vegetarier sein könne, wer noch nicht ihr Pastrami-Sandwich probiert habe. Aber die wissen nicht, was sie an ihren Avocados haben.

Wir lieben ifixit

Es ist immer auch ein Glück, wenn man etwas aufschrauben, es auseinanderbauen und wieder zusammensetzen darf. Es stellt sich ein, wenn man die Schraubkünste auf die Probe stellt: Geht das Ding wieder an? Funktioniert es so, wie erdacht?

Damit das so funktioniert gibt es eine unschätzbare Fundgrube von Anleitungen bei ifixit.com. Sie, die alles, was sie in die Hände bekommen, zunächst einmal aufschrauben, um zu schauen, wie reparierbar es ist, legen alles zusammen, um das Missing Manual zu kompensieren. Fotos helfen einem etwa, einen iMac, dessen Bildschirm mit dem restlichen Körper zusammengeklebt ist, an den richtigen Stellen aufzuschneiden. Um ihn nicht zu verletzen, gibt es pizzarädchenähnliches Werkzeug, das direkt auf der Seite zu bestellen ist. Die Kleber sind danach leider unbrauchbar. Dafür gibt es ein Set richtig zugeschnittener Klebeteile.

So ist es im Handumdrehen zu schaffen, einem iMac eine SSD einzusetzen und ihm nach fünf Jahren tapferer Arbeit zu einem zweiten Leben zu verhelfen. Der Flaschenhals ist beseitigt, das Gerät wie eine Rakete, die es davor nie war. Danke, liebe Reparierer, dass ihr uns dazu ermutigt, selbst Hand anzulegen, so wie früher, als wir unsere Computer selbst von Grund auf zusammenbauten.

Und wenn das Gerät dann tadellos startet, ist es fast, als könnte man von hinten einen Blick auf das Paradies erhaschen, auf den Zeitpunkt, als die Äpfel noch nicht angebissen waren.

Eintönigkeiten

Seit wir aus Sent zurück sind kommen mir die Tage so eintönig vor. Aber sie sind es nicht, ich erinnere mich falsch daran: Seither haben wir nämlich zwei wunderbare Hochzeiten gefeiert, wurden im Tesla herumchauffiert, was sich wie Fliegen anfühlte. Vielleicht trügt der Eindruck, dass einem die Sommer immer nur so aus den Händen rinnen. Und überhaupt: Eintönigkeit ist an sich nicht schlecht, wenn die Töne stimmen, höchst meditativ nämlich.