Archiv der Kategorie: Chaos im Alltag

Ohne Vereinstümelei

Da war noch ein Semester: Paradiese, Westernhelden und Denkmäler. Dazwischen immer wieder Beschäftigungen mit dem Vorsemester: Strategien des Kalten Krieges, Wissenschaftssprachen und Kulturtheorien. Ein Arbeitsgespräch zu fremdem Heiligem und Sitzungen zwischen Menschen, die einem zeigen, dass ein Student doch nicht mehr ist als ein Student.

Im Schlussgetöse ein spontanes georgisches Essen, eine kleine Wanderung auf dem Üezgi mit Schifffahrt nach Rapperswil. Ein Ausflug nach Vals mit Sich-besprudeln-lassen, Wanderschuhen und Blaubeerkuchen. Und die Gründung eines Fachvereins: Vorschläge fürs Curriculum, Statuten herausarbeiten und Vorstände bilden. Das volle Vereinsleben ohne Vereinstümelei.

Tbilisi

Rezensionen und Interviews zu Jonathan Safran Foers: Eating Animals

Rezensionen und Interviews zu Jonathan Safran Foers Eating Animals

Planen

Schreiben planen dünkt mich immer noch eine der schwierigsten Aufgaben. Eine Schreibberaterin hat mir einmal dabei geholfen, damals ging es ganz gut. Das Rezept war so einfach wie umsetzbar: Schreiben Sie alles auf, was Sie machen müssen. Zuerst streichen Sie alle Termine ab, die Sie wahrnehmen müssen. Und darum herum planen Sie dann. Damals habe ich mir Zeitpläne ausgedruckt und jede Woche zehn Minuten in die Planung investiert. Das war gut.

Heute habe ich mich daran erinnert und leere Pläne aus iCal ausgedruckt, in die ich meine Seminare im Voraus eingetragen habe. Dann habe ich mir die Abgabefristen angeschaut und im Überblick bemerkt, dass es in den nächsten Wochen ganz schön eng aussieht. Dass es eng werden würde, das habe ich mir vorgestellt oder erahnt. Aber dass es gleich so aussehen würde, das hätte ich mir nicht erdacht. Dann habe ich bemerkt, dass ich schon unglaublich lange nicht mehr gebloggt habe. Es stellte sich heraus, dass dies der Zeitpunkt ist, endlich etwas übers Planen zu schreiben, damit ich mich im Blog wieder daran erinnern könnte, dass ich mit diesen übersichtlichen Plänen arbeiten muss, damit ich die Zeit richtig einschätzen kann.

Und die Schreibberaterin meinte, ich müsse auch mal hart mit mir sein, wenn ich mir so enge Termingrenzen setze. Dann gebe es nichts Anderes als im Unglücksfall auch einmal etwas abzusagen.

Aber es regt sich Widerstand: Ich will doch auch spontan bleiben. Der Plan: So spontan wie ein Korsett!

Handschriften

Zu Handschriften geht eines der Seminare dieses Semesters. Endlich mal lesen lernen! Das ist doch etwas für Literaturwissenschaftler. Und dann immer auch noch ein bisschen versuchen, genetische Rekonstruktionen herzustellen, so richtig handfestes Zeugs mit psychoanalytischem Potenzial.

Aber die Abgründe der Entstehung dieser Handschriften interessieren ja nur die Auditoren, die’s im Seminar nicht gibt. Und weil die Kurrentschrift bei jedem Autor anders aussieht, so war das mit Handschriften eben, lesen wir uns bei verschiedenen ein: Walser, Goethe, Heine.

Das schöne daran: Nach der Knobelei stehen nicht ausgefüllte Kreuzworträtsel oder Sudokus, sondern Texte, an denen wir uns nach dem Entziffern erst recht die Zähne ausbeissen.

Damals nannte man das noch Philologie.