Archiv der Kategorie: Eindrücke

Eintönigkeiten

Seit wir aus Sent zurück sind kommen mir die Tage so eintönig vor. Aber sie sind es nicht, ich erinnere mich falsch daran: Seither haben wir nämlich zwei wunderbare Hochzeiten gefeiert, wurden im Tesla herumchauffiert, was sich wie Fliegen anfühlte. Vielleicht trügt der Eindruck, dass einem die Sommer immer nur so aus den Händen rinnen. Und überhaupt: Eintönigkeit ist an sich nicht schlecht, wenn die Töne stimmen, höchst meditativ nämlich.

Verwirrung stiften

Wir essen eine Kleinigkeit im lauschigen Park. Dann wünschen wir zur Abkühlung einen kalten Kaffee. Die Karte führt nichts dergleichen auf, wir fragen nach einem, um über die erste Nachmittagshitzemüdigkeit zu kommen. Was wir meinen, einen Eiskaffee. Wir meinen, es gebe verschiedene Möglichkeiten, wüssten ja nicht, was sie hätten. Bestellen sicherheitshalber einen Eiskaffe oder einen Espresso, je nachdem, was vorrätig sei.

Nach einer Weile hören wir aus der Küche ein Gespräch, der Koch erklärt der Serviererin, da gebe es verschiedene Varianten: doppelter Espresso über Eis oder zwei Kugeln Mokkaeis mit einem Espresso. Wir entscheiden uns für je einen. Es sei eben heute schwierig zu wissen, was Junge unter einem Eiskaffee verstünden. Das, was man in den Ferien bekommen, den Caffè freddo, also einen kalten Kaffee, oder was die Alten unter einem Eiskaffee handelten, mit dem Mokkaeis.

So kommen wir durch diese warmen Tage.

Von Mails und Velos

Kann das sein? Die NZZ schreibt in ihrer Sonntagsausgabe im Mai, dass eine Mail mit Text von circa einer A4-Seite ein Elektrovelo 250km weit bringen kann. Ein Bild, das wir uns unbedingt im Kopf behalten sollten. Das stammt aus einer Studie des Bundesamts für Umwelt, die sich damit auseinandersetzt, wie viel Energie das Internet verbraucht. Und das ist eine ganz schön grosse Menge. Wir wollen die Atomkraftwerke abschalten, aber schon das Internet braucht anderthalb Atomkraftwerke in der Schweiz.

Aber wie kann es sein, dass eine Mail von dieser Grösse so viel Transportkapazität hat? Ich kann mir das einfach nicht vorstellen. Wie sieht das dann mit Filmen aus, die wir uns im Internet anschauen? Oder mit all den schönen elektronischen Unterlagen, die wir uns zu Studienzwecken vom Internet herunterladen? Das Internet ist unsere Mutterkuh und soll so viel Strom verbrauchen! Bald kommt alles nur noch übers Internet.

Jedenfalls, sollte es so sein, dann schnallen wir uns besser ein solches Velo unter die Beine, fahren draussen rum und treffen uns dann zufällig, statt dass wir uns E-Mails schreiben.

Unser Sturm

Mit Menschen zusammen klingen. Experimentieren, was passiert, wenn alle zusammen ihre Windklänge miteinander kombinieren. Aus dem leisen Gesäusel ergibt sich ein gemeinsamer Anstieg zu einer grossen gefährlichen Wucht.

Bei den einen klingt es wie in einem Unwetter, bei anderen wie in einem frühlingshaften Sturm, der aufwecken soll. Zusammen klingt das aber schon ziemlich ausgewachsen und wenn das wirklich wäre, hätten wir Angst bekommen.

Dann macht A. plötzlich ein Zeichen, winkt den Sturm ab. Er wird wieder zum Gesäusel und zum Schluss geniessen wir die gemeinsame Stille. Und wir staunen, dass wir zusammen einen solch fürchterlichen Sturm geschaffen haben. Dabei war alles nur Vorübung.