Archiv der Kategorie: Gedanken

Büchermenschen

Heute mit Hilde Domin im Kopf in die Stadtbibliothek gegangen, das war noch da aus einem Gespräch mit einer Schülerin. Ein paar Bücher holen, wie man das immer tut, aber mit offeneren Augen: Darum entdecke ich, dass dort in der Handschriftenabteilung ein Ausschnitt aus dem Gästebuch der Literarischen ausgestellt ist. Sie war im Jahr 1975 zu einer Lesung in der Literarischen und bedankt sich im Gästebuch für den schönen Abend. Das sind so schöne Erlebnisse im Leben eines Büchermenschen.

Frau N

Wie schön das Leben doch ist: Einen Ring mit handschriftlicher Gravur der Liebsten tragen.  Sich davonstehlen im Cabrio. Beim Zurückkommen durch die Altstadt gehen. Tanzen, ohne tanzen zu können, aber trotzdem Spass daran haben. Bei jeder Gratulation von neuem in diesem Wonnegefühl schweben, daran denken, wie schön diese ganze Feierlichkeiten waren.

Über allem die Agenda vergessen und durchs sonnigherbstliche Basel vagabundieren. Nachts durchs Quartier gehen und am Kaffeeröstwind riechen. Nach Rom fahren, bevor der Nebel zuschlägt. Danke, Frau N!

Gelesen: Ludlum: Das Galiano Experiment

Die Erzählung ist auf Spannung hin geschrieben, gut für am Strand. Es geht um die Entwicklung des Merge, der die Menschheit weiterentwickeln soll. Die Menschen nehmen ihn gut auf, weil er viele Vorteile bringt, doch sind da auch einige geheime Funktionen angedacht, die nur für den Entwickler, Christian Dresner, zu nutzen sind. Geheime Ermittlungen kommen dem auf die Spur, zeigen alle Intrigen auf, die es dazu benötigt etc.

Interessant ist, dass es sich um ein Thema handelt, das in der Sci-Fi-Literatur gerade sehr aktuell ist. Auch in Dave Eggers The Circle wird die Fantasie eines allumfassenden Systems entwickelt, das sich gegen die Benutzer wendet.

Wohin gehst du, Neuland?

Endlich wagt es David Bauer in der Sonntagszeitung, der NSA-Debatte einen neuen Kontext zu geben. Sein Artikel «Wir sind nicht selbst schuld» argumentiert dafür, die beliebte Schlussfolgerung aus der NSA-Affäre zu hinterfragen, dass man selbst Schuld sei am Debakel. Das beliebte Argument, dass man selbst Schuld sei, wenn die Daten bei der NSA landen, wenn man sie zuvor auf Facebook und Co. ins Netz stellt, sollte nicht ziehen, weil es verkürzt ist .

Damit sollte es jetzt endlich möglich werden, nicht mehr  verkürzt über diese ganze Affäre nachzudenken. Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn die öffentliche Debatte eine solche Wendung nehmen könnte. Und dies insbesondere mit der Schlusspointe des Artikels: Er fragt, was wohl passiert wäre, wenn man in der Fichen-Affäre die Konsequenz gezogen hätte, einfach keine Spuren mehr zu hinterlassen oder sich unauffällig zu verhalten. Dem kann man nicht laut genug zustimmen, denn die Nutzer haben nicht das Einverständnis gebgeben, die Daten an direkt an die NSA weiterzuleiten.

Als Netzbürger sollten wir die Möglichkeit wahrnehmen, das Neuland aktiv mitzugestalten, darüber zu debattieren, was im Netz passieren soll und geschehen darf. Wenn man diese Fragen mit der Schuldfrage verwechselt, ist es kein Wunder, wenn sich Ernüchterung über das Netz breit macht.