Linkeria #27: Tummeln und Schweifen (Woche 10, 2010)

  • Blogger-Interview mit Benjamin Birkenhake von Zeit Online: Über Zeit Online, Blogs als Tummelfelder der Innovation und was es sonst noch so zu sagen gibt.
  • Readability: Endlich jemand, der sich um die werbegeplagten Augen kümmert. Und dann erst noch kafkaesk. Macht Blink-Webseiten lesbar. (Schade gibts das nicht für Papier oder für den Bahnhof.)
  • Freies Schweifen. Ein Link ins Offline: Zeit-Artikel zum Rolex Learning-Center (Die Zeit, 4. März 2010) «Eine Landschaft, die offen ist, in der sich alles mit allem verbindet, es praktisch keine Grenzen gibt, in der jeder aufgefordert ist, seinen eigenen Pfad zu finden. Auch Hinweisschilder und Übersichtspläne gibt es, doch die Architektur verleitet zum Umwegemachen, zum nonlinearen Denken.»

Jeden Samstag 3 Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten aus dem Web. Anregungen werden gerne per Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch

Linkeria #23: Erinnerungskasten (Woche 4/5, 2010)

Diese Linkeria ist eine Doppelnummer: Woche 4 ist ausgefallen, die Links werden hier mitgeliefert. Im Nachhinein.

  • Semantic Weblog: Die Idee des semantischen Weblogs. Eine Kombination aus Blog und Wiki: Im Zeitlauf, aber auch in der Enzyklopädie. Äusserst interessantes Projekt.
  • Mein Leben rippen: Der Erinnerungskasten braucht Text. Deshalb muss man aus Musik, Bildern und Büchern Text machen.
  • WordPress vs. Drupal: Weshalb sich Drupal besser fürs Semantic Weblog eignet als WordPress.
  • Semantic Weblog: Der Strom und die Karte. Das Semantic Weblog skizziert. Nach den Worten des Schöpfers: Davinciesque.
  • Digitale Textgenese: Was dabei herauskommen könnte, wenn ein Programm den Weg eines Textes aufzeichnen würde.
  • The fringe benefits of failure: Eine Vorlesung über den Vorteil des Scheiterns. Da sagt doch die Grossmeisterin der Magie: «We do not need magic to transform…»

Jeden Samstag 3 Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten aus dem Web. Anregungen werden gerne per Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch

Bibliothek für Blogs

In dieser Spalte ging es schon das eine oder andere Mal um Bibliotheken. Da habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie eine ideale Bibliothek aussehen könnte, beispielsweise so wie Bienenwaben. Waben haben mathematisch gesehen eine ideale Oberflächenstruktur, habe ich mir sagen lassen, nachdem ich den Artikel geschrieben hatte.

Aber das sind ja alles Altlasten. Heute soll hier ein Projekt genannt sein, das hohes Zukunftspotenzial führt: Die Blogbibliothek, lanciert von Thinkabout und Yoda, die beide Blogs als Orte (oder Nichtorte) für gute Texte fördern wollen.

Dabei sammeln sie Texte und Blogs, die man gerne liest, und die sich nicht «Bloggen übers Bloggen» auf die Fahne geschrieben haben. Die Bibliothek von Yoda und Thinkabout soll Perlen im grossen Blogmeer finden, gleichzeitig natürlich auch Lesern die Perlen schmackhaft machen.

In einer ruhigen Minute findet man so in der Blogbibliothek interessante und vor allem lesenswerte Texte, die man bei gezieltem Suchen vielleicht nicht gefunden hätte, weil auch Texte vertreten sind, die in den Google-Resultaten nicht an prominentester Stelle erscheinen.

Und es kommt noch besser: Wer selbst lesenswerte Blogs und gute Texte aus Blogs gefunden hat, die er in der Bibliothek verewigen will, kann selbst Vorschläge an das Redaktionsteam der Bibliothek schicken. So mehren sich die Perlen im eigenen Kästchen. Ach ja, und natürlich führen die beiden einen Blogbibliothek-Blog.

Nobelpreisträger bloggt

Eigentlich finde ich es ja langweilig, in Blogs bloss über Blogs zu lesen oder zu schreiben. Dieser neue Blogger hier scheint mir allerdings einen Beitrag wert zu sein: José Saramago, der Literatur-Nobelpreisträger von 1998, bloggt. In einem El País-Artikel legt er seine Gründe fürs Bloggen dar. Der erste Blog-Beitrag im «Cuaderno» ist eine Liebeserklärung an die Stadt Lissabon, wo Saramagos Stiftung ihren Sitz hat.

Endlich ein Grund, sich einen spanischen Dictionnaire anzuschaffen, vielleicht auch eine kleine Grammatik, um sich den Gedanken Saramagos, die er im Blog auf Spanisch (oder Portugiesisch) veröffentlicht, zu nähern. Man kann es im Caderno auch mit Portugiesisch probieren, allerdings scheinen sich da vom Latein her einige gröbere sprachgeschichtlichen Ungehobeltheiten ausgebreitet zu haben. Vor kann ich mir von der geschriebenen vorm zum Lautbild keine richtige «Logik» erschliessen. Logik hier in Anführungsstrichen, weil Sprache ohnehin nur bedingt logisch ist, und die Sprecher sich während des Laufs der Jahrhunderte eher kreativ als logisch betätigen. Dies kann dann zu interessanten Aussprachephänomenen kommen, aber ich merke, dass ich vom eigentlichen Thema bereits wieder abkomme.

Auf jeden Fall könnte man – so man der einen Sprache mächtig wäre – im vergleichenden Lesen der beiden Varianten bestimmt viele Fortschritte im Sprachverständnis machen.

Was natürlich schade ist, und die Idee von Blogs nicht wahnsinnig nahe kommt, ist die deaktivierte Kommentarfunktion, mit der Lesende mit dem Schreibenden in Kontakt treten könnten. So bleibt der Blog – wie im Namen schon vorweggenommen – ein Heft, ohne alle Möglichkeiten des weltumspannenden Gedankennetzes auszureizen.

[Für den Hinweis auf den Blog und den Artikel in El País danke ich dem Perlentaucher.]

#12: Änderung zum Abandonnieren (102)

Wer braucht heute schon einen Abänderungsantrag? Alles geschieht in Eigenregie, so wie in diesem Blog, ausser wenn sich Kommentatoren hinzugesellen, die hin und wieder einen Abänderungsvorschlag einwerfen und mitgestalten wollen.

Weiss jemand etwas zum Abandon? Oder hat jemand eine gute Idee, was man abandonnieren könnte? Ach klar, wir haben soeben etwas abandonniert, denn wir sind von der zweiten in die dritte Spalte der ersten Seite, d.h. der Seite mit der Seitennummer arabisch CLI, gewechselt, welch schönes Erlebnis!

Ich will gar nicht wissen, wie viel Zeit es gebraucht hatte, bis alle Karteikarten abgearbeitet waren, als noch keine modernen Datenbanksysteme dem Lexikografen (wer will, darf auch Lexikographen lesen, denn schliesslich war da ja mal ein griechisches Phi) zur Hilfe standen. Das muss eine unglaubliche Aufgabe gewesen sein! Bis nur alle Nachweise gefunden sind, die belegen, dass ein Lemma tatsächlich existiert. Dann muss es noch einer Überprüfung standhalten und in die Kartei rutschen.

Allein wäre eine solche Abarbeitung wohl unmöglich gewesen, die moderne Technik hat daran aber gar nichts geändert, denn, wer alleine ein Wörterbuch schreiben möchte, geht wohl das Risiko eines Lebenswerks damit ein.