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Linkeria

Linkeria #15: Welt fassen (Woche 50, 2009)

  • The Skill of Emplotment or the Rise of Storytellers: Komplexität in Geschichten erzählen. Gedanken über Geschichten in immer komplexeren Welten.
  • Dürfen Fernreisen sein? – Ilija Trojanow, Sabine Minninger und Harald Zeiss, diskutieren bei der Zeit übers Reisen. Wer darf wie reisen?
  • Die Schreibengel: Miriam Meckel über Lesen und Schreiben, Gedanken und Erinnerungen. «Wenn Advent schon etwas mit Ankommen zu tun hat, dann könnten es doch auch ein paar Schreibengel sein, die in den kommenden Tagen und Wochen sanft und leise bei uns landen und unsere Gedanken anstupsen.» [via: Blogbibliothek]

Jeden Samstag 3 Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten aus dem Web. Anregungen werden gerne per Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch

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Regentrude

Beim Schreiben des Beitrags zu Beedle the Bard ist mir ein anderes Märchen wieder in den Sinn gekommen. Wohl wegen des Titels, den ich gesetzt habe. Und zwar ist es die Regentrude. Wer es noch nicht kennt, sollte es unbedingt lesen, noch besser wäre wohl, wenn man es sich als Kind erzählen lassen könnte.

Entdeckt habe ich es 2006 in einem verstaubten Buch aus der Bibliothek der Kanti. Allzu lange hat sich niemand für Theodor Storm interessiert, so hat sich am Buch eben Staub angesetzt. Da Märchen aber wohl etwas sind, was mit Aktualität nicht unbedingt mehr Charakter gewinnt, soll die Regentrude recht sein. Und weil das Digitalisationsprojekt Gutenberg schon ziemlich fortgeschritten ist, kann man die Regentrude auch da anlesen.

Vielleicht liest man die Regentrude seinen Kindern aber lieber aus einem Buch vor, weil das wohl der Stimmung, in die man sich begeben soll, während man einem Märchen gespannt lauscht, eher entspricht. Oder man erzählt das Märchen ohne schriftliche Grundlage, so wie wohl vor der schriftlichen Fixierung Märchen erzählt wurden. So kann man ja auch eigene Schwerpunkte setzen, die Geschichte so tradieren, wie sie einem am besten gefällt, damit sie den nachfolgenden Generationen auch in dieser Weise tradiert wird.

So bewahrt man sich und seiner Familie alte Erzähltraditionen und -stoffe, während morgen Märchen vielleicht schon mit Powerpoint-Präsentationen erzählt werden. Es soll ja heute schon Menschen geben, die  ihre Liebe zur Angebeteten per Powerpoint verkünden.

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Gelesen

Parallel: Gamen und Erzählen (61)

Schon das Beispiel Claude Cueni, der das Präventions-Computerspiel «Catch The Sperm» für das Bundesamt für Gesundheit erfunden hat, zeigt eine gewisse Parallele zwischen dem Erzählen und der Kreation eines Computerspiels. Nicht dass die Episoden von «Catch The Sperm» sich durch wahnsinnige Plots charakterisieren würden, aber sie haben eben Plots. Claude Cueni verdient auch Geld als Schriftsteller, dass die Plots (und vielleicht auch der Stil) da besser sind als bei «Catch The Sperm», will ich hoffen. Die Bücher sind meistens ziemlich wuchtig.

Neuerdings wird mit Martin Ganteföhr ein Beispiel eines Computerspiel-Designers vorgeführt, der sich auf die Kunst des Narrativen im Computerspiel versteht. Es werden regelrecht Geschichten erzählt, wenn man dem Bericht der Telepolis Glauben schenkt. Von traditionellen Game-Heften werden Spiele wie «Overclocked» allerdings nicht allzu positiv bewertet, da sie sich anscheinend zu sehr auf die technische Umsetzung eines Computerspiels fixieren.

Ganteföhr kommt von der strukturalistischen Literaturwissenschaft her und hat sich mit Mythen beschäftigt. Er sieht Computerspiele viel mehr in einem Kontext der Gesamtkultur als durch eine rein technische Brille. Er meint sogar, dass die fotorealistischen Charaktere dem Computerspiel nicht unbedingt zuträglich sei, schliesslich wolle der Spieler auch seine eigene Phantasie mit einbringen.

Mit der Vorstellungskraft und Phantasie hat wohl das narrative Computerspiel Parallelen zur Erzählung oder gar zum Text als solches: Der Rezipient muss sich aktiv betätigen, damit das Spiel bzw. die Erzählung fortschreiten kann. Dies sei auch gleich die Schwierigkeit, meint Ganteföhr im Telepolis-Interview: «Die Wirkung eines ernsten Spiels entfaltet sich oft erst nach Stunden, und während derer darf man den Spieler nicht verlieren.»