Altes und Neues

Ich beschäftige mich im Moment gerade mit dem Thema des Alten und Neuen im Stechlin für eine Seminararbeit. Während des Referats habe ich schon herausgefunden, dass es nicht so einfach ist, das Alte und das Neue eindeutig einer Gruppe von Figuren zuzuordnen, wie ich mir das vor der Lektüre vorgestellt hatte. Dies liegt wohl am Modus, in dem das Alte und Neue im Roman verhandelt werden: Es ist nicht der Erzähler, der explizite Zuweisungen macht, sondern die Figuren, die im Gespräch über die Positionen verhandeln.

Nun habe ich einen elektronischen Volltext gesucht, damit ich den Text auch computerphilologisch abfragen kann und so einfacher treffende Stellen finde. Bei Wikisource habe ich dabei eine (mir) neue Funktion entdeckt. Natürlich gibt es den Stechlin, Fontanes Alterswerk im Volltext online, aber nur in Kapitel zerstückelt. Bei Wikisource ist es nun aber möglich, ein Buch aus den verschiedenen Wiki-Seiten zu machen (unter «Drucken/exportieren), das man sich dann als PDF oder Openoffice-Dokument herunterladen kann. So ist man dann auch schon gerettet: Das Openoffice-Dokument lässt sich in .rtf-Dokument umwandeln, das ich dann in Tustep importieren kann, mit dem wiederum ich die Textabfragen machen kann.

Immer wieder unglaublich, wie das Internet das Alte und das Neue näher zusammenrückt.

Linkeria #24: Computerwelten (Woche 6, 2010)

  • A very hard thing is to get back into coding: Rückkehr in den Alltag. «The world inside the computer is so different from the world outside the window. You see the sky through the glass, and you see the snow coming down, and you picture all the gas stations and sad diners, and you hear them call to you and dare you to leave again.»
    [via: halbluchs]
  • Is Google Making Us Stupid? Nicholas Carrs Essay übers Lesen, Denken und mechanisches Uhrwerk: Wie Technologie unsere Denkgewohnheiten und Hirnwindungen prägt. «Yet, for all that’s been written about the Net, there’s been little consideration of how, exactly, it’s reprogramming us. The Net’s intellectual ethic remains obscure.»
  • Ich verstehe die Pop-Welt nicht mehr. Mike Oldfield im Interview über Aufnahmen via Webkonferenz, klassische Musik im Nachtclub und elektrische Gitarre.

Jeden Samstag 3 Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten aus dem Web. Anregungen werden gerne per Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch

Linkeria #13: Netzkritik (Woche 48, 2009)

Jeden Samstag 3 Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten aus dem Web. Anregungen werden gerne per Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch

#29: Sitzen neben Unbekannten (124)

Plötzlich sitzt man neben jemandem, der nicht weiss, dass man sich in der Duden-Lektüre beim Eintrag zu Abbrand befindet, und fängt aus unerklärlichen Gründen an, miteinander zu kommunizieren. Unfreiwillig der eine, mit allem Enthusiasmus der andere.

Er habe eben den Bruder des Kurhausdirektors von D. gesehen, und er habe es nicht einmal bemerkt, bis jemand ihn mit dem Namen angesprochen habe. Es wäre doch so schön, sich einmal in diesem Kurhaus abbrausen zu lassen. Der Service sei erstklassig, habe er gehört.

Eigentlich wäre einem zumute, dieses Gespräch abzubrechen, weiss aber nicht wie. Allzu unhöflich möchte man ja nicht wirken, vielleicht wird man ja selbst einmal Bruder des Direktors eines Kurhauses in D. Da wäre es ja schön, wenn sich Leute erfreuen würden und in ein fast kindliches Lachen ausbrechen, dass sie die Ehre hatten, diesen Bruder zu sehen.

Der Abbruch des Blickkontaktes vermag nicht, den Redefluss des Gegenübers abzubremsen. Auch die gänzliche Abwendung führt nicht dazu, die Tirade übers Internet, bei der wir nämlich zu diesem Zeitpunkt angelangt sind, in eine Abbremsung zu überführen.

Also doch nochmals hinwenden zu diesem beneidenswert hartnäckigen Gesprächspartner und ihm klar machen, dass man eigentlich gar nicht wegen ihm, sondern wegen dem Redner da vorne gekommen sei. Wie aber bringt man das zustande, ohne das gegenüber innerlich ganz abbrennen zu lassen? Vielleicht eine Abbreviation verwenden, die er nicht verstehen würde? Zum Beispiel rofl, lol oder etwas in diese Richtung? – Zu gefährlich, die Abbreviatur lol könnte dieser Internet-Oppositionelle als Löli deuten. Dies würde ihn aber vielleicht davon abbringen, ständig Laute von sich zu geben?