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Orchideenwurzeln erdicken

Meine junge Orchidee, die ich erst neulich von der Mutterpflanze abgelöst und auf neues Substrat gepflanzt habe, wächst nicht nur prächtig; auch die Wurzeln werden von Tag zu Tag dicker. Ganz erstaunlich eigentlich, denn vor gut zwei Wochen waren die Wurzeln bloss Luftwurzeln.

Orchidee mit immer dickeren Wurzeln
Orchidee mit immer dickeren Wurzeln

Normalerweise heisst es ja, jemand wachse wie ein Welpe, ich muss das Sprichwort korrigieren: Es sollte viel eher heissen, dass jemand wie eine junge Orchidee wachse. Die Blätter sind im Vergleich mit der Vorwoche und den ersten Blättern, die so langsam aber sicher den Geist aufgeben, schon wieder prächtig gewachsen.

Langsam will der Topf als Ausbreitungsort nicht mehr genügen, die Blätter fangen bereits an, über den Rand hinauszuwachsen und den Topf bloss noch als Reservoir für die Wurzeln und Nährstoffe zu verwenden, die ja im Substrat noch in Hülle und Fülle bereit stehen.

Die Farbe der Pflanze wird immer kräftiger: Die grüne Farbe der Blätter erinnert mich mehr und mehr an den grünen Rasen in Irland, was allerdings nichts heissen will: Rot-Grün-Farbenblinden soll man im Urteil über grüne Farben nicht unbedingt trauen, schon gar nicht, wenn es subtile Farbunterschiede sind.

Während der Beobachtung des Wachstums bleibt die tägliche Freude über immer grössere Blätter, die nicht nur länger, sondern auch breiter werden und eine intensivere Farbe. Und was noch viel schöner ist: Die Vorfreude auf die ersten Blüten, die hoffentlich bald kommen werden, wenn die Mutterpflanze aufgehört haben wird zu blühen und umgetopft wird. (Sie hat dringend neues Substrat nötig, jedoch soll man Orchideen nicht umtopfen, während sie in der Blüte sind oder austreiben.)

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A Point of Guinness, Please

Guinness ist einer der grössten Arbeitsgeber auf der grünen Insel. Das Gebräu aus den gerösteten Weizenkörnern schmeckt nicht nur gut, sondern lässt Busfahrer und allerhand andere Leute zu sprachlicher Variationskunst hinreissen, dass man gute Ohren braucht, damit man versteht, was denn die Sehenswürdigkeit, über die gerade gesprochen wird, ausmacht.

Nicht, dass die Busfahrer eine Pinte intus hätten, aber wenn sie aussprechen, wie man “a pint of Guinness” mit einem Bisschen Lokalkolorit auf der Zunge ordern solle, könnte man meinen, in einem Vokalparadies gelandet zu sein. Man könnte – so wie von den Festland-Schulen her gewöhnt aussprechen, oder aber so wie der eine Busfahrer es spricht “pint” genau gleich wie “point”, sind ja schliesslich nur Vokale, warum denn so genau sein?

Befänden wir uns in einem anderen Jahrhundert, würde man jetzt nach der Ursache für diese Sprechweise kommen und das mit irgendwelchen Tätigkeiten am Feierabend in Verbindung setzen. Anachronistischen Aktivitäten wollen wir uns hier jetzt aber nicht hingeben, aber entschuldigend darauf hinweisen, dass die Arbeitsplätze beim grössten Arbeitgeber gewahrt werden wollen, nicht wahr?

Für Touristen bietet die Guinness-Brauerei übrigens in Dublin eine geniale Sache. Auch wenn einem das dunkle Bier nicht schmeckt, ist das Guinness-Storehouse einen Ausflug wert, bei der Degustation muss man ja nicht gleich mitmachen. Die Aussicht nämlich, die einem im runden Turm geboten wird, ist einmalig. Man hat den Überblick über ganz Dublin, ein wunderbares Panorama, man überzeuge sich selbst an den Fotos.

Hier oben kann man sich auch davon überzeugen, dass es keine Rolle spielt, ob man nun Dublin oder Dablin prononciert, die Hauptsache ist schliesslich, dass die Stadt existiert. Und so kann man sich denn auch vorstellen, dass der Stephen aus A Portrait of The Artist as a Young Man folgenden Ausspruch von sich gibt:

“It was very big to think about everything and everywhere. Only God could do that. He tried to think what a big thought that must be; but he could only think of God. God was God’s name just as his name was Stephen. Dieu was the French for God and that was God’s name too; and when anyone prayed to God and said Dieu then God knew at once that it was a French person that was praying. But, thought there were different names for God in all the different languages in the world and God understood what all the people who prayed said in their different languages, still God remained always the same God and God’s real name was God.”

Joyce, James (2001): A Portrait of the Artist as a Young Man. Hertfordshire: Wordsworth Classics, P. 10.

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Wetter Irland: Sind die wegen der Sonne gekommen?

Das Gesprächsthema, mit dem man als Irlandreisender prototypischerweise konfrontiert wird, ist das Wetter. Warum fragt man sich da gar nicht mehr, wenn man einen Reiseführer konsultiert hat, es wird einem eine Niederschlagsmenge prophezeit, da können Wüstenbewohner nur neidisch werden, wenn sie wieder einmal einer Fata Morgana aufgesessen sind.

Dass aber selbst Iren manchmal vom Thema Wetter nicht abzubringen sind, hat ein kleines Erlebnis auf den Aran Islands gezeigt. Ein Inselgrüppchen, das von jedem Touristenführer angepriesen wird, man habe da wunderbare Aussicht auf die Klippen am Festland und auch von den Bewohnern her seien die Inseln einzigartig. Jenes kann ruhigen Gewissens bejaht werden; von der Aussicht auf die Klippen war bei unserem Ausflug nichts zu spüren. Vielmehr war der Himmel bedeckt von Wolken, Nebel verdeckte die Sicht und ein fieser Wind Blies um die Ohren.

Umso lustiger mussten da die Menschen auf uns Wirken, nachdem wir das Stampfen und Rollen der Fähre hinter uns gebracht hatten (und glücklicherweise in unseren Wanderschuhen guten Stand hatten im Gegensatz zu den Schülerinnen, die mit Flipflops und Minirock aufs Boot gestiegen sind). Man mache sich aber von den Wellen selbst ein Bild in meinem ersten Youtube-Video.

Fähre zu den Aran Islands

Am Strand begegnet uns ein Ire, der – hartgesotten wie man es sich vorstellt – die Nacht auf seinem Segelboot verbracht hat. Der Wetterbericht habe erstaunlicherweise einmal gestimmt, nein, das Wetter sei noch schlimmer gewesen als angesagt. Und dann berichtet er über beide Backen und mit beiden Augen lächelnd, dass dieser Mann dort oben, der Richtung Hafenstrasse läuft, aus Barcelona sei. Mit seinen Kollegen sei er hierher gekommen und ihren Frauen. Dass dieser so schnell weggeht kann man fast nicht begreifen. “I suppose they didn’t just become because of the sun.”, lässt den feinen irischen Sarkasmus zu uns hinübergleiten, und sieht, wie schnell dem EU-Mitgenosse der Wind aus den Segeln genommen wurde.