Schlagwort-Archive: Literatur

Blogger lesen kein Papier (77)

Bis jetzt haben sich erst zwei Blogger an der Blogparade zur Lektüre auf dem Nachttisch beteiligt. An was mag das liegen? – Eine allgemeine Abneigung von Bloggern gegenüber Blogparaden? – Das wohl eher weniger, wer auf slug.ch nur schon das Wort «Blogparade» eintippt, findet am 17. Januar 2008 über 180 Beiträge, die etwas mit Blogparaden zu tun haben.

Lesen Blogger gar nicht?

Der Hund liegt wohl an einem anderen Ort begraben, aber wo denn bloss? Ist es so, dass Blogger – weil sie zu viel schreiben – schlichtwegs keine Zeit zum Lesen aufbringen können? Auch daran kann es wohl nicht unbedingt liegen, denn viele Leute bloggen über das, was sie gerade im Internet gelesen haben.

Amazon trägt Schuld

Wie wir unlängst lesen konnten, wird Papier vom Amazon Kindle zurückgedrängt, einem Gerät, das sich anscheinend gut zum Lesen ab Bildschirm eignet. Nicht nur scheint das Ding viel leichter zu sein als wenn man sich tonnenweise Papier in den Koffer packen müsste, er verdrängt gleichzeitig den Bücherberg vom Nachttischchen.

Wer dennoch – wie Goggi oder André – noch Bücher auf dem Nachttisch hat, kann sich ja noch bis zum 29. Februar an der Blogparade beteiligen.

Blogparade: Lektüre auf dem Nachttisch (74)

Blogparaden zur Literatur gibt es noch fast keine. Über Technisches, Metathemen zu Blogs und Politik jedoch massenweise. Liegt es daran, dass sich niemand an einer solchen Parade über Literatur beteiligen würde?
Lasst es uns testen! Wir wollen herausfinden, was auf den Nachttischen liegt.

  1. Wie viele Bücher warten darauf, endlich fertig gelesen zu werden?
  2. Was schätzt du an den Büchern, die auf dem Nachttischchen liegen?
  3. Welche der Bücher, die du noch fertig lesen willst, empfiehlst du, auch zu lesen?
  4. Was wird das nächste Buch auf dem Nachttisch?
  5. Was für Bücher liest du sonst so, die du empfehlen willst?

Ich würde mich freuen, wenn sich einige dafür erwärmen könnten, Antworten auf diese Fragen zu formulieren. Mitmachen kann man an dieser Blogparade ganz einfach: Mittels Trackback/Pingback zu diesem Beitrag ist man dabei! Es wird Auswertungen zu dieser Parade geben. Ich freue mich auf eure rege Teilnahme! Das Weiterempfehlen dieser Blogparade ist nicht verboten.

Das Ende dieser Blogparade soll der 29. Februar 2008 sein. Schliesslich will der zusätzliche Tag ausgenutzt sein.

Literatur kann auch heilen (73)

Blake Morrison hat beim Guardian einen äusserst rührenden Artikel über das Lesen als Therapie veröffentlicht. Bibliotherapie scheint in Grossbritannien so richtig en vogue zu sein.

Lustigerweise – oder sollte man sagen glücklicherweise? – vertritt der Artikel eine Meinung, die derjenigen aus dem «Lesen und Glück»-Beitrag völlig widerspricht.

In Gruppen lesen diejenigen, die eine Bibliotherapie über sich ergehen lassen:

„The usual pattern is for a complete book to be read aloud, cover to cover, at weekly sessions, which for a group spending an hour a week on a Dickens novel can mean six months devoted to a single work.“

Das gemütliche Zusammensein und gemeinsame Lesen, Woche für Woche schweisst die Patienten mit verschiedensten Krankheiten, darunter auch Parkinson oder Alzheimer, anscheinend zusammen und lässt sie ihre Krankheiten in den Hintergrund treten.

Medizinisch gibt es dafür keine Erklärungen, Blake Morrison wagt gar den Vergleich mit Homöopathie, die gemäss Angaben vieler Menschen gegen Beschwerden nützen, obwohl teilweise gar keine Wirkstoffe festgestellt werden können.

„People who don’t respond to conventional therapy, or don’t have access to it, can externalise their feelings by engaging with a fictional character or be stimulated by the rhythms of poetry.“

Wenn das wirklich funktioniert, eine wahrlich sagenhafte Art der Therapie. Diese Art der Therapie wäre mir persönlich viel lieber als ein Medikamente-Cocktail, dem man die Nebenwirkungen schon sieben Kilometer gegen den Wind ansieht.

Bücher aus Abfall (71)

Aus Abfall kann nicht nur eine ganze Armee im Sinne eines Kunstwerkes bzw. mehrerer Aktionen entstehen, auch Bücher sollen aus Abfall entstehen.

Kathrin Schadt hat bei der Zeit eine lesenswerte Reportage veröffentlicht, die beschreibt, wie in Buenos Aires Bücher in Handarbeit entstehen. Viele Cartoneros arbeiten im Projekt Eloísa Cartonera mit. Und es entstehen äusserst bunte, bisweilen auch individuelle Buchumschläge.

Der Kleinverlag druckt ihre eigenen Anthologien und veröffentlicht die Avantgarde der lateinamerikanischen Literatur. Interessante Zusammenstellungen: Poesie und Kurzprosa, was den Literaten eben gerade einfällt.

So schnell werden diese Bücher wohl nicht wieder zu Abfall. Die Bücher sind schon Kunstwerk genug, dass sie nicht wiederverwertet werden brauchen.

(Kunstwerke aus Büchern: via siebensachen)

Versuch einer Antwort auf Parallax I (56)

Dannie stellt wieder einmal schwierige Fragen in den Kommentaren zu Parallax I. Hier ein Versuch, auf die Frage, was ein «Schweizer Schriftsteller» sei, eine Antwort zu finden.

Dannie, du fragst, wie ich die «Schweizer Schriftsteller» charakterisieren würde. Eine schwierige Frage. Gerade auch deshalb, weil ich mich bei der Lektüre eines Textes nicht allzu sehr dafür interessiere, wo ein Autor gewohnt hat, als er den Text geschrieben hat.

Das lässt aber trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die Verwendung des Begriffs «Schweizer Schriftsteller», so wie er von den Medien in der Folge des Wahlkampfs verwendet wurde, suggeriert, dass es etwas Spezielles wie die Schweizer Schriftsteller geben müsse. Ich begehe hier deshalb einen (fatalen) Versuch einer Antwort. Ausserdem ordnen viele Bibliotheken die «Schweizer Autoren» in speziellen Gestellen an. Dass man nicht immer auf die Kompetenz der Bibliothekare rechnen kann, zeigt auch das Beispiel, in dem Literaturwissenschaft zur Unterhaltung gemacht wird.

Es fällt mir genauso schwer, den Begriff des «Schweizer Schriftstellers» zu definieren, wie ich in Schwierigkeiten geraten würde, den «Schweizer» zu charakterisieren. Juristisch gesehen impliziert der Terminus eine klare Trennschärfe, nämlich diejenige der Staatsangehörigkeit. «Schweizer Schriftsteller» sind nämlich diejenigen Schriftsteller, die einen Pass der Confœderatio Helvetica besitzen.

Der juristische Terminus scheint mir aber hier nicht für sehr hilfreich, geht es doch darum auch einen Teil der Kultur und vielleicht sogar eine Zugehörigkeit zu derselben zu definieren.

Daran liegt es wohl gerade: wann gehört etwas zu einer Kultur, wann nicht? Der Bereich des Mythos ist hier wohl wirklich erst der Anfang, der aber – wie sich Stefan Zweifel im Tagi Magi aufregt – in letzter Zeit von Autoren zu sehr bemüht wird, um das klischeehafte Bild der Schweiz aufzuwärmen. Auch die Abgrenzung von einem grösseren Kulturkontext werde von Autoren heute betrieben, Zweifel spricht gar von einem Rückzug in die Provinz.

Hier sind wir aber auch gleich in einer Diskussion, die in Deutschland während den letzten Jahren geführt wurde, derjenigen der Leitkultur. Der Begriff wurde im Zusammenhang mit der Eingliederung bzw. Integration von Immigrierenden benutzt.

Ist ein «Schweizer Schriftsteller» ein Teil dieser Gruppe, die schweizerische Leitkultur herstellen? In diesem Zusammenhang gibt es Leute, die leiten auch mit führen übersetzen. Eine solche F*****kultur würde aber (hoffentlich) nicht unterstützt.

Soweit der unvollständige Versuch einer Antwort, der nur wieder einmal eine ganze Reihe Fragen aufwirft, die ich vorerst nicht zu beantworten wagen würde.