Frühlingswind

Wieder einmal Paris: Rasende Fahrt mit dem TGV. Ankommen in einer Stadt, die man kennt; sie hat sich verändert seit dem letzten Besuch. Mehr Platz und Liebe fürs Fahrrad. Entdeckungen: Alexander Calders Zirkusse, Katzengraffitti in der Stadt und die Ausstellung Michel-Ange et Rodin, Frühlingswind im Jardin du Luxembourg. Und dann auch der Phönix aus der Asche: Die renovierte Notre Dame. Oder das monumentale Werk von Katharina Grosse in der Fondation Louis Vuitton.
Und was auch gleich geblieben ist: Mittagessen im Bistrot in der Frühlingssonne, Anstehen vor dem Louvre und deliziöse Patisserie. Paris, je t’aime.

All Art Has Been Contemporary

Aufmerksam im Alltag sein. Dazu hat mir dieser Blog immer wieder verholfen: Kleine Dinge aufschreiben, festhalten, ihnen dadurch ein bisschen Dauer verleihen. Oder auch einfach nur eine kleine Spur für sich selbst hinterlassen. Das ist eigentlich für mich das Interessante an meinen eigenen Notizheften, an Sudelblöcken. Womit habe ich mich während einer Zeit beschäftigt?

Und dann selbst zu merken: Gewisse Gedanken denke ich immer wieder, provoziert von Lektüren, andere Gedanken veränderen sich, weil ich mich verändert habe. Ich möchte gerne Lesen und Schreiben habe ich einmal während des Studiums gedacht. Ja, warum machst du das nicht einfach? Es braucht nicht viel: Ein Bleistift und Papier ist genug.

Oder ein Museum in München, in dem man einem Gedanken nachgehen kann: All Art Has Been Contemporary (Maurizio Nannucci), Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, München.

Aus bekannten Gründen

Vor einer Zeit habe ich mich in der Sammlung Winterthur umgesehen nach Dokumenten, die mir Aufschluss über die Geschichte der Literarischen gegeben hätten, und zwar über die Spanische Grippe. Die Corona-Pandemie ist die zweite Pandemie im Leben dieses Vereins, ich wollte wissen, welchen Einfluss die Spanische Grippe auf den Lesungsbetrieb hatte. Zwar ist die Geschichte des Vereins und seiner Tätigkeiten gut dokumentiert in der Anthologie Zeit∙Spur von 1992 (hrsg. von Gérard Piniel und Beat Schenk, Winterthur), die Teil einer Jubiläumsgabe war. Die Anthologie zeigt aber vor allem das literarische Schaffen dieses Wirkens an. Die geschichtlichen Aspekte sind im Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur 2017 herausgearbeitet von Ute Kröger.

Beide Bände enthalten keine Informationen zur Spanischen Grippe, man kann in der 100. Jahr-Geschichte einzig ex negativo schliessen, dass es sie gegeben hat, denn zwischen Mai und Herbst sind keine Veranstaltungen verzeichnet. In den Vorstandsprotokollen sind die ausfallenden Lesungen mit keinem Wort verzeichnet, warum sollten sie auch? – Heute wäre auch kaum etwas verzeichnet ausser in den Protokollen zur GV, weil die GV auf schriftlichem Weg stattgefunden hat. In den Zeitungen wären wahrscheinlich Einträge zu finden, nur nicht für den Verein spezifisch. Stattdessen arbeitete der Vorstand an einer Publikation, und zwar mit vereinten Kräften – Sitzungen bis spätabends oder gar nachts.

Was mich ob diesem Schaffenswillen nachdenklich machte: So einschneidende Ereignisse sind nicht dokumentiert, weil alle sie miterleben. Positiver gewendet: Zeitgenossenschaft ist derart etabliert, dass die Dokumentation nicht nötig erscheint. Was ist denn sonst noch so alles nicht überliefert – weil Zeitgenossen miterleben?

Augenmenschen

Vor einiger Zeit hat mir einmal jemand gesagt, wir seien auch Augenmenschen. Wie richtig diese Feststellung ist. So war ich neben Buchstabenmensch in den letzten Tagen auch häufig bei den Bildern: Tuchinstallationen im Hobelwerk, Bilder mit Masken (José de Guimarães), Kunsthallen, Bilder mit Landschaften (Gerhard Richter) oder Glocken und deren Klang, die einen ganzen Betonbau in Vibrationen versetzen (Forsythe), ah und natürlich Nägelis Totentanz.

Synthetikweste

Die Synthetikweste ist das Pandemie-Utensil Nummer 1. Aufgefallen ist es mir zuerst im Oktober in Venedig: Viele Restaurantaussenbereichbesucher trugen sie. Es war schlicht die einzige Möglichkeit, um möglichst lange abends draussen zu bleiben. Und jetzt ist es ein unverzichtbarer Begleiter für die Zeit, die man auf all den Spaziergängen benötigt, um sich nicht zu verkühlen. Und dann natürlich für die gut belüfteten Schulzimmer. O tempore!