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Einstimmen aufs Neue

Nur noch dieses Wochenende, dann lesen die Professoren wieder vor. Bis dahin darf man sich ja noch ein wenig einstimmen, ein wenig Schmökern, und sich vorstellen, was man während vierzehn Wochen lernen wird. Da wäre bei mir dieses Semester ein neues Alphabet angesagt, ganz dem gesellschaftlichen Trend zur Pluralität folgend. Und wenn man im Verfolgen eines Trends Geist und Zeitgeist vereinen kann, gibts doch gar nichts Schöneres. So braucht man nämlich nicht einmal Giovanni di Lorenzos Entscheidungstaktik der Zeit zu benutzen, die im Zweifelsfalle lieber Geist statt Zeitgeist nimmt.

Und weil man mit Youtube auch schön einstimmen kann, soll das ganze Alephbet über den Bildschirm purzeln:

oder so:

Eingefleischt

Am Radio mit halbem Ohr zugehört, wie jemand von Religionen gesprochen hat. Er erzählt, dass es plötzlich der Wunsch des Geistes geworden sei, auch Material zu werden, denn am Anfang sei alles geistig gewesen. Statt von Inkarnation oder Fleischwerdung hat er dann von Einfleischung gesprochen.

Zuerst herrschte Verwunderung über dieses Wort. Dann fand ich es schön, weil es so wunderbar materialistisch klang, und so den Prozess viel eher wiedergeben konnte: Ein-fleischung und Ein-Fleischung.

Schlussendlich dieses synaptische Klicken bei einfleischen: Ein direkter Verweis zum Text von Stifter, über den ich gerade arbeite, eine Erzählung, die von einem Granitblock umrahmt ist, deshalb wohl «Granit» heisst, und in der Studienfassung noch «Die Pechbrenner» betitelt war. Und eigentlich sind es ja auch gleich zwei Erzählungen in einer, denn der Grossvater beruhigt seinen Enkel mit einer Binnenerzählung von seinem Pech (in beiden Sinnen).

Nun aber zum synaptischen Klicken, zum eigentlichen Ursprung des Traumas, das durch die Pechgeschichte entsteht: «Was hat denn dieser heillose eingefleischte Sohn heute für Dinge an sich?» (S. 22) Und natürlich: Es ist Pech, was dieser Sohn an seinen Füssen hat.

Literatur: Stifter, Adalbert: Granit. In: Derselbe: Bunte Steine (hrsg. von Helmut Bachmaier). Stuttgart: Reclam, 1994.

#5: Analoge Aufnahmen (93)

In der digitalen Welt kaum noch anzutreffen ist die AAD. Eine Abkürzung, die niemand mehr braucht, obwohl CDs noch überall vorhanden sind: Analoge Aufnahme, analoge Bearbeitung und digitale Wiedergabe. Nichts mit Magnetstreifen, sondern modernste Laser! Die gehen nicht so schnell kaputt wie die Zahnräder im Kassettengerät, das erst vor kurzem den Geist aufgegeben hat. Nicht MP3 hat der Kassette den garaus gemacht; es war das Abspielgerät selbst, das sich in diese missliche Lage begeben hat.