Gelesen: Ein Leben mit dem Islam

Navid Kermani hat im vor fast zehn Jahren ein schönes Buch zu Nasr Hamid Abu Zaid herausgegeben: Ein Buch, das von einem Islamwissenschafter handelt, der einen besonders steinigen Weg zu gehen hat. Heute lehrt er an der Universität Leiden in den Niederlanden, nachdem er in Ägypten, seinem Geburtsland, nicht mehr lehren durfte und von seiner Frau zwangsgeschieden wurde.

In der Reihe «Der Islam und der Westen» der Zeit gibt es auch ein Interview mit Abu Zaid, wo er ausführt, weshalb der Koran als historischer Text gelesen werden soll: Als Text, der nicht von seinem historischen Entstehungskontext losgelöst gelesen werden kann. Eine Herangehensweise, die nicht jeden Muslim zu überzeugen vermag, weil die Offenbarungen im Koran schliesslich Gottes Wort sein sollen.

Parallelen muss man gar nicht lange suchen: Auch Gläubige anderer Religionen beharren darauf, dass ihre Glaubensgrundlagen, so sie denn geschriebene Texte sind, Einhauchungen der göttlichen Macht sind, wobei ganz einfach der Fakt der Tradition, also die Tatsache der Überlieferung, übersehen wird.

Das Buch über den Islamwissenschafter Nasr Hamid Abu Zaid ist sehr erfrischend zu lesen und zeigt einen Kontrapunkt zum Islam, der fast täglich in den westlichen Medien präsentiert wird. Kein Bild eines militanten Islams wird vertreten, denn der Protagonist ist selbst Opfer dieser Art des Islams; vielmehr ist es ein weltoffener Blick auf eine der drei Weltreligionen, die in Lessings «Nathan der Weise» eine Rolle spielen.

Das Buch: Navid Kermani (Hrsg.): Ein Leben mit dem Islam. Herder, Freiburg i. Br. u.a. 1999.

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