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Abgangsverspätung: Folge 2

Nicht nur die Bundesbahnen der Schweiz sprechen von Abgangsverspätung, wenn der Zug zu spät aus dem Bahnhof ausfahren soll, wie in der Zwiebelfisch-Kolumne nachzulesen ist, macht dies auch die Deutsche Bahn.Er erklärt dann auch, dass man bei Abgang nicht unbedingt an Tod zu denken braucht, das Abfahren eines Zuges werde fachsprachlich auch Abgang genannt. Lustig, dass der Alltag uns in den Fachbereich der Eisenbahnerei einblicken lässt, wenn auch nur durch die Lautsprecher im Zugabteil.

Bücherpost

Heute sind die Bücher, die ich am Samstag bei amazon.de bestellt habe, schon angekommen. Da ist zum einen Gotthold Ephraim Werke in drei Bänden und Thomas Manns Buddenbrooks. Ich freu mich schon auf die Lektüre, wenngleich ich auch wohl noch länger mit diesen Werken beschäftigt sein werde.

Und zuerst muss natürlich auch Proust noch dranglauben. Die Sache mit dem mémoire volontaire und dem mémoire involontaire ist noch ziemlich spannend. Und die Sprache ziemlich anspruchsvoll.

Aber die Fülle an Büchern und Werken, die noch zu lesen sind oder die ich noch lesen will, ist immens. Deshalb klinke ich mich jetzt aus dem Netz aus und tauche in die Welten Prousts ab, lasse mich von den Beschreibungen von Combray, dessen Kirche und den speziellen Leuten rund um den Marcel, der sich wegen dem Geschmack des Madeleines plötzlich wieder unfreiwillig an Dinge erinnert, faszinieren.

Proust und Bilder

Während der Lektüre von Prousts A la recherche du temps perdu kommen einem immer wieder Werke der Kunstgeschichte entgegen, die beschrieben werden oder die selbst eine Person beschreiben. Da ist es natürlich wichtig, die verschiedenen Bilder auch zu kennen. Gerade wenn beispielsweise die Caritas von Giotto als Vergleichsbild für die schwangere Küchenmagd gebraucht wird.

caritas_giottoBild: Giottos Caritas

Auf der Webseite TempsPerdu.com sind die anzitierten Bilder schön versammelt und nach Maler sortiert aufgelistet. Die Seite ist auf englisch und enthält noch weitere interessante Links. So zum Beispiel den Link zur Gallica, wo Handschriften-Scans von Le temps retrouvé begutachtet werden können. Ob jemand dazu imstande ist, diese auch zu lesen ist eine andere Frage ;-). Das Verständnis wiederum ein anderes Kapitel, denn dieses gestaltet sich sogar bei der Druckversion immer wieder relativ schwierig. Dann sollte man aber nicht verzweifeln ob Prousts sprachlichem Meisterwerk, sondern die Sätze segmentieren und isoliert verstehen, um dann einen Rückschluss auf das Gesamte zu machen. (Und ja, die Absätze helfen einem, zusammengehörende Einheiten ausfindig zu machen!)

Abgangsverspätung

Heute hat die SBB Überraschendes durch den Lautsprecher durchsagen lassen. Sinngemäss und mit dem wichtigsten Wort «Abgangsverspätung» zitiere ich jetzt den Lokführer des Intercitys von Zürich HB in Richtung Romanshorn:

Dieser Zug hat 3–5 Minuten Abgangsverspätung, weil auf ein Anschlusszug gewartet werden muss. Wir danken für Ihr Verständnis.

Toll hab ich gedacht, da waren wohl wieder mal kreative Köpfe am Werk, die diese Meldungen getextet haben. Aber was soll denn bitte Abgangsverspätung mit einer Abfahrtsverspätung haben? Wohl ist absichtlich differenziert worden, denn eine Abfahrtsverspätung (à la «mach mal nen Abgang!») klingt irgendwie mehr selbstverschuldet, die Abgangsverspätung jedoch eher passiver.Vielleicht aber auch nicht. Ich werde auf jeden Fall solch kreativen Äusserungen weiterhin sammeln, vielleicht finde ich ja noch heraus, wo der Unterschied zwischen Abgangs- und Abfahrtsverspätung liegt. Vielleicht habe ich auch einfach einen Sprachwandel noch nicht mitbekommen. Oder Abgangsverspätung ist das Wort, das politisch korrekter ist als Abfahrtsverspätung.Mit der englischen Übersetzung traf die Faust auch noch aufs Auge: Statt auf einen Zug wurde plötzlich auf ein plane gewartet. Oder hab ich da jetzt verpasst und es gibt nicht nur in Kloten einen Flughafen, sondern auf dem Weg dahin, am Zürich HB auch noch einen?Zugfahren ist lustig. Es bringt das ganze Weltbild durcheinander und zeigt, wie kreativ man im Sprachgebrauch tätig werden kann.

Suche nach dem Superzettel

Der Verlag Kein und Aber hat herausgefunden, dass überall auf den Strassen, an Anschlagbrettern, Papierkörben und wo sonst noch überall, Talente schlummern und darauf warten, entdeckt zu werden. Absender unbekannt ist nämlich die neue Webseite, auf der Fresszettel aller Art gesammelt und einer grösseren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Dabei kommen Waschküchengespräche und andere solche tollen Zettel ans Tageslicht.Wenn du noch irgendwo solche Zettel herumliegen hast, kannst du diese an eine Email-Adresse schicken, die auf der Seite angegeben ist. Wenn dein Zettel sogar Starallüren hat, wird er vielleicht sogar in ein Buch aufgenommen.