Alle Beiträge von Claudio

Opa erklärt SBB-Anzeigetafeln

Letzte Woche habe ich folgendes oder ein ähnliches Gespräch aufgeschnappt:

Opa: Was ist das für eine Zahl unter »Gleis«?

Enkelin*: G L E I S# Foifi.

Opa: Ja genau, das ist Gleis fünf. Und was sind ist denn das 17.11?

Enkelin: Weissi nöd.

Opa: Das bedeutet 17 Uhr 11, dann fahren wir mit dem Zug ab. Und das wusste ich. Deshalb mussten wir ja auch so schnell zum Bahnhof gehen.

Legende

*den Leuchtstreifen nach zu schliessen, wohl im Kindergarten-Alter.

#buchstabierend

Kommentar

Die Anzeigetafeln enthalten schon unheimlich komplexe Informationen! Und durch unsere Sozialisation mit dem Zugfahren wissen wir genau, welche Zahl und Welche Buchstaben an welchem Ort was bedeuten. Wir bemerken sogar, wenn die Anzeigetafel verrückt spielt und die S12 von Winterthur in Sektor A an ein anderes Zielort fahren als in den Sektoren B und C…

anzeigetafel_sbb

Bild: Eine prototypische Anzeigetafel der SBB. Ein grösseres Bild kommt mit Klick! Quelle: SBB.

Frankreich hin und her

Zurück aus Frankreich und gleich eine Menge Mails beantwortet.Die Wiesen hier sind grüner, saftiger, der Regen kälter. Messey-sur-Grosne ist ein traumhaftes Dörfchen mit etwa 700 Einwohnern und wunderschönen Steinhäusern, die sehr einladend wirken.Ein weiterer Besuch ist die Gegend allemal wert, das Städtchen Buxy sieht aus, wie aus einem französischen Film. Die Trauben rundherum wie wenn sie aus dem Bilderbuch ausgeschnitten wären.Köstlich waren auch die Crevetten aus dem Carrefour für 1€ pro 100g, was man so schnell wohl nicht mehr geboten bekommt.Jetzt aber, zurück aus Frankreich – Ergebnis aus je fünfeinhalb Stunden hin- und Rückfahrt, einem grossen Erfahrungsreichtum und wunderbaren Eindrücken, ist zuerst einmal Zeit da, um über alles Nachzudenken. Auch über die da getriebene Lektüre, König Ödipus von Sophokles, der ganz viele Stoffe der Weltliteratur in einem und unheimlich dicht behandelt.

Chuchichäschtli-Orakäl

Dank Tobi bin ich aufs Chochichästli-Orakel gestossen. Fast so lustig wie im Sprachatlas deutsche Schweiz kann man herausfinden, aus welcher Region der Dialekt stammt, den man spricht. Leider gibt es da keine Tonbandaufnahmen, aber für das Identifizieren der eigenen Identität reicht das Material gerade noch so knapp.Update: Jetzt lese ich in der FAQ, dass die Auswertung mit den Daten aus dem «Sprachatlas der deutschen Schweiz» gemacht wird.

Woher stammen die Daten, die für die Auswertung verwendet werden? Die Analyse basiert auf dem „Sprachatlas der deutschen Schweiz“ von R. Hotzenköcherle, einem achtbändigen Standardwerk der Schweizer Mundarten (A. Francke Verlag, Gerbergasse 48, 4001 Basel). Gewährsleute für Spezialfragen waren A. Kölbener und A. Jenal – vielen Dank!

(Post-)Moderner Ablasshandel

Wie im Spätmittelalter mit dem Ablass, gibt es heute verschiedene Formen des Ablasshandels. Eine der interessantesten Ausgestaltungen nimmt das Bewusstsein für die Umwelt an. Statt auf einen Flug ins nahe Ausland zu verzichten, wird im Nachhinein in einen CO2-Fonds eingezahlt: Die Emissionen sollen durch nachhaltige Projekte, wie dies das Pflanzen von Bäumen oder ähnlichen Projekten der Fall ist, neutralisiert werden.

Dies erinnert mich an das Modell des Ablasshandels im Mittelalter, denn da konnten Sünden ex post mit einer Geldzahlung neutralisiert werden und ein Eintritt ins Fegefeuer verhindert werden. Wo Päpste damals eine gute Einnahmequelle gefunden haben und mit dem Geld wunderbare Bauten, hochstehende Kunst und ein immenser Verwaltungsapparat aufgebaut werden konnte, wird heute ähnliches betrieben. Private Firmen beteiligen sich an der Erhaltung unserer Umwelt.

Die Historikerin im NZZ Campus Blog sieht diese Art des Geschäftemachens gar als neue Geschäftsidee für Historiker: Bei der Aufarbeitung von verantworteten Taten mit einer «Schweigeminute deluxe» will sie für eine bessere Zukunft sorgen, indem die Vergangenheit bewältigt wird.

Ist dies ein Hoffnungsschimmer, dass bald nicht mehr Lifestyle-BeraterInnen das Leben planen, sondern studierte Historiker? Oder drehen wir uns in einem Zirkel und sind nun wieder im Spätmittelalter angelangt?

Stand up – nochmals!

Obwohl die Kampagne mit den schwerstbehinderten Bundesräten sehr provokativ war, hat sie dem Abstimmungsresultat zur IV-Revision nicht viel genützt. Hamoun von der Stand up-Initiative (oder Stand up Seite selbst) fand die Initiative gut; der grösste Teil der Bevölkerung jedoch nicht, weshalb die Kampagne dann wohl auch nicht grossflächig eingesetzt wurde.Die Zustimmung zur Revision der IV dürfte wohl nicht unbedingt erstaunen, haben doch die bürgerlichen Parteien ein reichlich hetzerisches Plakatangebot auf den Strassen platziert. So hiess es zum Beispiel, dass es genug mit dem Missbrauch sei und jetzt wieder eine stabile IV gebraucht werde.Allerdings kann ich diese Hetzkampagne nicht ganz nachvollziehen, denn die Missbrauchs-Rate ist nicht so sehr hoch. Der Fall des letzten Jahres, wo jemand in Spanien ein Kinder-Heim nach sehr ominösen und auch zu verurteilenden Weisen geführt hat, und dabei rausgekommen ist, dass dieser Mann IV bezieht, hat wohl sein volles getan und die Leute davon überzeugt, dass es IV-Missbrauch in grossem Stil gibt.Die Medien machen reichlich Politik… Und bald wird es wohl in der Schweiz nur zwei grosse Medienhäuser geben, die Konsolidierungsphase hat ja vor Kurzem einen weiteren Schritt in Richtung Zweihäuser-Medien-Landschaft gemacht.