Archiv der Kategorie: Ferienbild

Waiting for Visa

Was gibt es Schöneres als Ferien zu planen? Reiseführer durchblättern, Orte auf Landkarten heraussuchen, Telefone machen und bei Bekannten, die schon im Nahen Osten waren, um Tipps fragen. Kurz nach der Abstimmung zu den neuen Pässen mit biometrischen Daten habe ich mir noch einen alten zugelegt; es wäre ja schade, den biometrischen Pass zu schreddern, wegen des Stempels, auf den ich warte.

Während des Wartens kann man ganz schön Zeitung lesen, die Wahlen verfolgen und hoffen, dass der Richtige fürs Land gewinnen wird. Man kann sich weiterhin Luftschlösser bauen oder schon einmal Zugfahrkarten bis nach Wien besorgen, wo man dann weiter nach Budapest, Belgrad und Istanbul weiterziehen möchte, um dem Ziel, Teheran, näher zu kommen. Zug um Zug.

In der Zwischenzeit muss man sich aber noch ein wenig in Geduld üben, wozu man aber kaum Zeit findet, weil noch Klausuren vorbereitet, Arbeiten an- und fertiggedacht werden wollen. Schon wieder ein Semester vorbei, schneller noch als die anderen, obwohl es zuerst gar nicht richtig starten wollte.

Angewandte Semiotik im Schnee

Wieder einmal im Reich der Schilder

Angewandte Semiotik im Schnee

Normalerweise bringt man Schnee mit Natur in Verbindung. Dass man auf einem Schneespaziergang aber auch den Schildern begegnet, kann man in praktisch jedem Skigebiet sehen. Hier ein Bild auf dem Weg zur Foppa. Übrigens: Dass es Steine auf der Piste hatte war nicht angezeigt. Das konnten wir aber begutachten, als wir auf der anderen Seite der Verbotstafeln die Zeichen falsch deuteten.

A Point of Guinness, Please

Guinness ist einer der grössten Arbeitsgeber auf der grünen Insel. Das Gebräu aus den gerösteten Weizenkörnern schmeckt nicht nur gut, sondern lässt Busfahrer und allerhand andere Leute zu sprachlicher Variationskunst hinreissen, dass man gute Ohren braucht, damit man versteht, was denn die Sehenswürdigkeit, über die gerade gesprochen wird, ausmacht.

Nicht, dass die Busfahrer eine Pinte intus hätten, aber wenn sie aussprechen, wie man “a pint of Guinness” mit einem Bisschen Lokalkolorit auf der Zunge ordern solle, könnte man meinen, in einem Vokalparadies gelandet zu sein. Man könnte – so wie von den Festland-Schulen her gewöhnt aussprechen, oder aber so wie der eine Busfahrer es spricht “pint” genau gleich wie “point”, sind ja schliesslich nur Vokale, warum denn so genau sein?

Befänden wir uns in einem anderen Jahrhundert, würde man jetzt nach der Ursache für diese Sprechweise kommen und das mit irgendwelchen Tätigkeiten am Feierabend in Verbindung setzen. Anachronistischen Aktivitäten wollen wir uns hier jetzt aber nicht hingeben, aber entschuldigend darauf hinweisen, dass die Arbeitsplätze beim grössten Arbeitgeber gewahrt werden wollen, nicht wahr?

Für Touristen bietet die Guinness-Brauerei übrigens in Dublin eine geniale Sache. Auch wenn einem das dunkle Bier nicht schmeckt, ist das Guinness-Storehouse einen Ausflug wert, bei der Degustation muss man ja nicht gleich mitmachen. Die Aussicht nämlich, die einem im runden Turm geboten wird, ist einmalig. Man hat den Überblick über ganz Dublin, ein wunderbares Panorama, man überzeuge sich selbst an den Fotos.

Hier oben kann man sich auch davon überzeugen, dass es keine Rolle spielt, ob man nun Dublin oder Dablin prononciert, die Hauptsache ist schliesslich, dass die Stadt existiert. Und so kann man sich denn auch vorstellen, dass der Stephen aus A Portrait of The Artist as a Young Man folgenden Ausspruch von sich gibt:

“It was very big to think about everything and everywhere. Only God could do that. He tried to think what a big thought that must be; but he could only think of God. God was God’s name just as his name was Stephen. Dieu was the French for God and that was God’s name too; and when anyone prayed to God and said Dieu then God knew at once that it was a French person that was praying. But, thought there were different names for God in all the different languages in the world and God understood what all the people who prayed said in their different languages, still God remained always the same God and God’s real name was God.”

Joyce, James (2001): A Portrait of the Artist as a Young Man. Hertfordshire: Wordsworth Classics, P. 10.

Wetter Irland: Sind die wegen der Sonne gekommen?

Das Gesprächsthema, mit dem man als Irlandreisender prototypischerweise konfrontiert wird, ist das Wetter. Warum fragt man sich da gar nicht mehr, wenn man einen Reiseführer konsultiert hat, es wird einem eine Niederschlagsmenge prophezeit, da können Wüstenbewohner nur neidisch werden, wenn sie wieder einmal einer Fata Morgana aufgesessen sind.

Dass aber selbst Iren manchmal vom Thema Wetter nicht abzubringen sind, hat ein kleines Erlebnis auf den Aran Islands gezeigt. Ein Inselgrüppchen, das von jedem Touristenführer angepriesen wird, man habe da wunderbare Aussicht auf die Klippen am Festland und auch von den Bewohnern her seien die Inseln einzigartig. Jenes kann ruhigen Gewissens bejaht werden; von der Aussicht auf die Klippen war bei unserem Ausflug nichts zu spüren. Vielmehr war der Himmel bedeckt von Wolken, Nebel verdeckte die Sicht und ein fieser Wind Blies um die Ohren.

Umso lustiger mussten da die Menschen auf uns Wirken, nachdem wir das Stampfen und Rollen der Fähre hinter uns gebracht hatten (und glücklicherweise in unseren Wanderschuhen guten Stand hatten im Gegensatz zu den Schülerinnen, die mit Flipflops und Minirock aufs Boot gestiegen sind). Man mache sich aber von den Wellen selbst ein Bild in meinem ersten Youtube-Video.

Fähre zu den Aran Islands

Am Strand begegnet uns ein Ire, der – hartgesotten wie man es sich vorstellt – die Nacht auf seinem Segelboot verbracht hat. Der Wetterbericht habe erstaunlicherweise einmal gestimmt, nein, das Wetter sei noch schlimmer gewesen als angesagt. Und dann berichtet er über beide Backen und mit beiden Augen lächelnd, dass dieser Mann dort oben, der Richtung Hafenstrasse läuft, aus Barcelona sei. Mit seinen Kollegen sei er hierher gekommen und ihren Frauen. Dass dieser so schnell weggeht kann man fast nicht begreifen. “I suppose they didn’t just become because of the sun.”, lässt den feinen irischen Sarkasmus zu uns hinübergleiten, und sieht, wie schnell dem EU-Mitgenosse der Wind aus den Segeln genommen wurde.

Wecker gehen auf den Wecker

Eigentlich war der Gedanke einmal gewesen, jedes Mal beim Aufwachen an die schöne Pariser Zeit erinnert zu werden. Erinnerungen an die Schachspieler im öffentlichen Park, die der Hitze der Grossstadt einen Springer stehlen. Auch daran, wie man auf den Stühlen gesessen hat, die mit ihren abgeschnittenen Beinen richtig einladend wirken.

Dabei darf man den Aussicht nicht vergessen: die Kinder, die ihre kleinen Boote mit einem Holzstab angetrieben haben. Ein kleiner Schubs und die Boote schwimmen vom einen Ufer ans andere. Einwirkungen von aussen wie wenn ein Wind den Booten seine Kraft geliehen hätte.

Nach dem stundenlangen Zuschauen dann genug Energie gesammelt, um weitere Erkundungen der Stadt vorwärts zu treiben. Dabei immer wieder vorgestellt, wie man mit einem Stab geführt wird, vom einen ans andere Ufer.

Da kann man dann gar nichts dafür, wenn man plötzlich in einem Möbelhaus landet, wo man auch gar nicht anders kann als irgendwelche Espressotassen zu kaufen, die auf den Namen «Sylvie» hören. Während man dann nicht mehr weiss, ob man sie gekauft hat, weil die Tassen oder der Name schön war, aber trotzdem bereut, keinen Espresso zu trinken, kommen auch die Gedanken wieder, die den Kauf des Weckers im gleichen Kaufhaus veranlasst haben.

Hoffentlich funktionieren die Stecker, das eigene Süppchen in der Schweiz kocht ja auch auf anderen Steckdosen. Zu Hause entdecken, dass Suppen überall mit Wasser gekocht werden. Dabei schöner aufwachen, weil man die Boote mit im Bett hat.

Weil ein Aufwachen im Boot zu Beschwerden im Kreislaufsystem führen kann, auf die Erinnerungen verzichtet. Und so geht der Alarm, auch derjenige mit Pariser Herkunft, am morgen nur noch auf den Wecker, insbesondere dann, wenn statt Radio der richtige Alarm ausgelöst wird.