Nummern

Ankommen um acht Uhr, mit zwei Minuten Verspätung. Zuerst eine Nummer fassen, sich zu den anderen setzen, die auch eine sechs zuvorderst haben. Die ersten werden nach einer halben Stunde aufgerufen, ungeduldig. Bis zur 27 geht es noch zwei Aufrufe weiter. Dann werden Nummern getauscht: Die alte Nummer abgeben, in der Zwischenzeit nummernlos werden.

Eine neue Nummer entgegennehmen. Mit der 508, das Büchlein abgeben, Geld wechseln: Fünfliber. Die Bagage in ein Zimmer stellen, in dem die Fünfhundertacht vorkommt, den Fünfliber in ein Schliessfächlein legen, das mit 508 angeschrieben ist. Kein Schliessfach mit 508. Den Fünfliber trotzdem reinlegen.

Auf einen Stuhl sitzen, der mit 508 angeschrieben ist. Den Zettel mit der Fünfhundertacht entgegennehmen, der für einen anderen gedacht war: Der Name ist überklebt. Immer wieder Foifhundertacht gerufen werden. Saugnäpfe aufgeklebt bekommen, die einen erhöhten Blutdruck und -puls feststellen und Rundspuren hinterlassen. In eine Messstation hineinatmen: «Ich habe keine Zeit diese Messung noch zehn Mal durchzuführen jetzt machen Sie mal richtig. Ist wurscht, wenn Sie einen Hustenreiz bekommen, ist ja nur ein Mal, verdammt!»

Immer wieder diese Nummer um den Hals legen, beim Appell in Stereo rufen, dass die 508 da ist. Dann früher als abgemacht aus dem Zimmer gerufen werden, weil jetzt alles anders wird. Die Fünfhundertacht muss in der ersten Charge mit, um dann mit dem Namen angesprochen zu werden. «Sie werden heute Abend über den Lautsprecher aufgerufen, dann können Sie gehen.»

Zum Schluss die Rückgabe der Nummer unterschreiben.

Wandern, didaktisch

Da lerne ich etwas über die Wanderungen der Daniter, die in Richter 18 beschrieben werden, kann es mir nie richtig merken, da bietet mir eine Appenzellerin die Eselsbrücke vom wandernden Jogurt im Alpstein an. Ich stelle mir vor, Jogurt im ganzen Alpstein, darf das Jogurt das? Oder verbieten die Appenzeller das schon bald? Jedenfalls ist mir das seither geblieben, dass bei dieser Stelle gewandert wird und wenn ich mich nicht daran erinnere, wer da wandert, erinnere ich mich an den Grosskonzern mit den Jogurts, die mich dann an Frankreich und Ferien erinnern.

Das ist bestimmt besser als das mit dem Herrn Rübezahl, der mal meine Eselsbrücke war: Da ging es in der Chemie darum, analytische Prinzipien besser zu verstehen. Die haben ja ganz viele Elemente herausgefunden, die dann in einem Periodensystem zusammengefasst wurden. Ich habe mir dann vorgestellt, dass Herr Rübezahl im Chemiezimmer sei, der alles, was darin ist, zerschneidet und so die Elemente findet. Dumm ist dann nur, wenn man sich die Eselsbrücke zu bildlich vorstellt und einem statt dem, wohin die Brücke eigentlich hätte führen sollen nur noch die Brücke sieht und das dann auf den Zettel schreibt. Drum schreib ich das mit den Jogurts jetzt hin, weil ich es dann schon einmal aufgeschrieben habe und ich dann nicht Gefahr laufe, das nochmals aufzuschreiben… Der Chemiker hat das Ganze mit Humor genommen, ein Altachtundsechziger mit einer Uhr der sozialdemokratischen Partei und kommentiert, er hätte selten so gelacht und fürs Lachen einen Punkt verteilt.

Und wenn wir es gerade von Eselsbrücken haben: Bei 1 Sam 10 kommt Saul und die Eselinnen vor. Irgendwie ist das alles ziemlich miteinander verflochten.

Ah ja, und weshalb ich das Ganze eigentlich angefangen zu schreiben habe: Rumwandern beim Lernen ist eine tolle Sache, mit der Bewegung kommen die Dinge einfacher in den Kopf rein. Frau C. meinte, das sei ja logisch, wir hätten ja auch von dieser tollen didaktischen Errungenschaft des Wanderdiktats oder Wanderwerkstattarbeit profitiert. Und man sitzt vor allem nicht die ganze Zeit auf dem immer unbequemer werdenden Stuhl, auf dem man schon seit vier Wochen sitzt, um ihn für einen Tag auszutauschen mit einem Stuhl, auf dem man noch nie zuvor gesessen hat, um Zettel entgegenzunehmen, auf denen Fragen stehen, um zu schauen, ob das, was man während der letzten vier Wochen gemacht hat, irgendeinen Nutzen hatte.

Und dann, ja dann endlich kann das neue Semester beginnen. Mit Computerphilologie, Spätrealismus und Spanien.

Katalogisieren

Zeitungsartikel, Aufsätze, Bücher, Webseiten und was mir sonst noch in den Sinn kommen könnte. Das alles katalogisiere ich seit einer Weile mit Zotero, einem tollen Firefox-Plugin, das einem viel Arbeit erspart. Ich hänge PDFs an, die mit einem weiteren Plugin automatisch indexiert und so durchsuchbar werden, kann mir Timelines anzeigen lassen, zu welchen Zeiten ich Einträge in der Datenbank habe und natürlich kann ich die Literatur, die ich in der Datenbank habe direkt in Word-, Openoffice- und weitere Dokumente einspeisen und mir Bibliografien machen lassen. Zu guter letzt wird meine Datenbank auch auf dem Zotero-Server gespeichert, wodurch ich von überall her Zugriff darauf habe und auf verschiedenen Computern den gleichen Stand meiner Datenbank habe.

Was das aber bedeutet, alles von vier Jahren Studium und einer gewissen Neigung zum Sammeln zu katalogisieren und in diese Datenbank hineinzubekommen… Gut hat mich da niemand vorgewarnt!

Mit ein bisschen Glück werde ich dafür aber mit einer API auf die Datenbank zugreifen können und diesen Blog mit Leselisten zu den Themen, die mich beschäftigen, befüllen können. Und beim Fussnotenschreiben wird mir die Arbeit ungemein erleichtert.

Linkeria #39: Die Zukunft des Musikvideos

Linkeria – Links und Kürzestzusammenfassungen zu interessanten, visionären, relevanten und lesenswerten Texten und Internetseiten in unregelmässiger Folge. Anregungen werden gerne per Kommentar, Tweet oder Mail entgegengenommen: linkeria [affenschwanz] textworker [punkt] ch