«Was die Remer fürn Schmarrn zamenbaut habn» (121)

Wenn die Römer wüssten, wie die Menschen heute auf ihrem Forum Romanum herumlaufen, würden sie sich wohl im Grab umdrehen. Hier lästern sie über die Praktiken, die in den Vesta-Tempeln an der Tagesordnung standen, da macht sich Unverständnis für die riesigen Tore und Säulen breit.

Die gleichen Menschen, die ihr Unverständnis kund tun, überlegen sich mit Aussprüchen wie «Schau mal, was die Remer fürn Schmarrn zamenbaut habn» nicht, was sich die Menschen in zweitausend Jahren darüber denken, was wir im weltweiten Netz angestellt haben.

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Nicht dass dann ein Archäologe mit diesen tollen Archäologenkleidern noch irgendwelche Datengräber ausgraben könnte – dafür sind die Bits und Bytes dann wohl doch zu wenig fest und zu sehr von Magneten abhängig – aber wer schon Eintritt bezahlt, um das Forum Romanum zu besichtigen, könnte doch wenigstens ein wenig Achtung vor der Kultur zeigen, die Bauwerke hervorgebracht hat, die heute noch zu sehen sind. Niemand mag bestreiten, dass von einigen Sachen bloss Steinhaufen zu sehen sind, aber auch diese zeigen die Sorgfalt und Mühe, mit der diese einst errichtet und aufgeschichtet wurden.

Für digitale Fotografien sind die Steinhaufen dann doch noch gute genug, denn schliesslich – so könnte man meinen – geht die Repräsentation über die Jahrtausende hinweg: Die Römer, oder besser gesagt, diejenigen, die es sich leisten konnten, liessen sich Prachtsbauten errichten, mit denen sie ihre Macht repräsentieren liessen. Der Tourist will seinen Daheimgebliebenen wissen lassen, wo er war: Das Beweisfoto als Repräsentation seines Interesses an der Kultur, die er Steinhaufen nennt.

Was die Archäologen von morgen – beziehungsweise die Touristen von morgen – sagen werden, wenn sie dereinst die Papiere der heute lebenden Römer ausgraben werden, bleibt nur zu vermuten. Ein Beweisfoto hierzu:

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Die Welt ohne den Tod

Wie es wäre, in einer Welt zu leben, die keinen Tod kennt, beschreibt José Saramago in seinem Buch «Eine Zeit ohne Tod». Das Buch ist äusserst empfehlenswert, gerade auch dann, wenn man sich – wie so viele Menschen in unseren Breitengraden – ewig zu leben wünscht. Dass die Resultate, die bei diesem Experiment herauskommen würden, alles andere als erfreulich sind, zeigen die anekdotischen Gedanken. Mehr dazu aber in meinerBesprechung des Buches bei Tink.ch.

Von der Lektüre dieses Buches zurückgekehrt in die normale Welt, gilt es, schon wieder die Koffer packen und diesmal statt auf eine Gedankenreise, selbst einen Weg unter die Füsse zu nehmen. Auch dieser Weg soll nicht ohne Bücher gemacht werden, es wäre ja schade, wenn man mit dieser Reise nicht irgendwelche Lektüren in Verbindung bringen könnte.

Eines der Begleiter soll Shakespeares «Ein Sommernachtstraum» sein, von dessen Aufführung im Pfauen ich hellbegeistert war, vor allem von den Bauchrednerpuppen. Erstaunt war ich vor allem über die schlechten Rezensionen in einigen Feuilletons und anderen Magazinen, aber vielleicht werde ich auch noch nachträglich enttäuscht sein, wenn ich das nette Reclam-Büchlein gelesen haben werde.

Ausserdem soll auch Stefan Zweigs «Die Welt von Gestern» mitkommen. Dass ich beide Bücher lesen werde, glaube ich kaum, aber es ist immer schön zu wissen, etwas für den Fall der Fälle dabeizuhaben. Wahrscheinlich kommt es ja wieder so heraus wie im Sommer in den Segelferien, dass ich im Zug lieber die Augen zudrücke (hätten die Kondukteure bei den Leuten, die gestern kein Anschlussbillet für eine Zone hatten übrigens auch tun können!) oder mit den Mitreisenden gute Unterhaltungen führen.

Meinen Lesern und Leserinnen wünsche ich ganz schöne Ostern. Die Kommentarfunktion wird nur eingeschränkt verfügbar sein, dies um einerseits Spam, anderseits aber auch anderen Kommentaren, die nicht den Umgangsformen entsprechen, die in einer zivilisierten Gesellschaft erwünscht sind, vorzubeugen. Ich bitte, die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten zu entschuldigen!

#26: Ein Abbild des Dudens (118)

Schön, dass wir mit der neuen Woche, auch bald eine neue Seite im Duden aufschlagen dürfen. Nur noch das Abbild finden wir auf der Seite 151, die ja im eigentlichen Sinne die Seite 1 der Einträge im Wörterbuch sind. Weiter vorne sind noch verschiedene Buchstaben abgebildet, dazu noch die deutsche Transkription und Transliteration derselben. Da sieht man beispielsweise, dass man ein Kleines Alpha, will man es denn auf Deutsch schreiben, mit einem kleinen a Abbildung findet.

Nie hätte ich gedacht, dass der Duden so viele Wörter beinhaltet, die man im Leben noch nie gehört hat. Zu der Kategorie gehört auch das kleine Wörtchen abbimsen. Und indem ich das hier reinstelle, habe ich es gleich selbst gemacht. Ja, ganz genau, es soll umgangssprachlich sein für abschreiben.

Auch war mir nicht aufgefallen, dass direkt aneinandergereiht an umganssprachliche Wörter, gleich wieder ganz andere kommen, die viel mehr mit medizinischen Begriffen zu tun haben, man müsste sich fast schämen, noch nie die ganze erste Seite im Duden gelesen zu haben, der schon seit dem Sommer 2006 im Bücherregal seine Heimat hat… Und so muss man entdecken, dass gleich unter abbimsen, abbinden kommt. Aber ob das Verb abbinden oder das Nomen Abbindung schöner sein soll? Wenn der Arzt oder die Ärztin sagt, so ich binde ihnen jetzt den Arm ab, damit das Blut fliessen kann, spielt wohl weder das eine noch das andere eine Rolle. Wichtig ist dann nur noch, dass ein Spray angewendet wurde, der das taktile Vermögen des Arms einschränkt, sodass der Stich der Nadel nur als ein winzig kleines Stichlein wahrnimmt.

#25: Elektronische Geräte abbezahlen (117)

Mit neuen elektronischen Geräten kann man sich in eine ganz schöne Lage bringen. Endlich einmal darf man das Verb abbezahlen einmal selbst brauchen und in die Realität umsetzen. Bevor man sich allerdings in eine solche Lage bringt, sollte man sich mit den Bedingungen für die Abbezahlung auseinander setzen. Regelrechte Knebelverträge für einen neuen Fernseher – und das bloss, um das Wort der Abbezahlung einmal in einem offiziellen Dokument zu sehen? Jedem das Seine, aber auf eigene Gefahr!

Genauso wie man sich auf eigene Gefahr auf die Strasse begibt. Manchmal sind äusserst kuriose Gestalten unterwegs, die im Kreisel statt schön in der Spur fahren, auf das daneben liegende Trottoir abbiegen, den Gartenzaun malträtieren, es bemerken, nochmals abbiegen, aber diesmal auf die andere Seite und Quer über eine andere Strasse fahren, ohne dass sie dies geplant hätten, auch wenn man eine Abbiegespur benutzen sollte, wenn man solche Dinge vorhat. Abbiegungen sind nämlich nur da zu machen, wo man sie verantworten kann.