#9: Der Aasgeier und der Pudel (98)

Aaron soll ausser dem kleinen Bruder der Backstreet Boys auch noch der Name eines biblischen sein. Ach ja, genau, der Aaronstab für den Bruder Moses!

Mit Aas kann und will ich nichts anfangen, lassen wir das die sache der Aasgeier sein, denn da wachsen die schönsten Aasblumen, man kann von ihnen nicht genug kriegen, höchstens die Fliegen könnten bitte sehr verschwinden, schliesslich versperren sie die Aussicht. Der Fluglärm ist auch unerträglich, bald muss ein härteres Abflugregime her, von internationaler Zusammenarbeit auf politischer Ebene ist nichts zu spüren. Fliegen der Schweiz, vereinigt euch mit den Fliegen Europas, bevor es zu spät ist! Macht ein Manifest wie die Pudel. Jetzt könnt ihr bei der Auswahl noch aasen!

Sobald aber die Aasfresser und Aasgeier den Platz gestürmt haben werden, ist fertig lustig, verhandeln muss man dann gar nicht mehr, denn die Schnäbel sind gespitzt und die Schadenfreude gross.

#8: Aaraus Adler (97)

Daran will er sich partout nicht erinnern, sagt immer a. a. O., da müsse man sich nicht mehr merken, wo man es abgelegt hat.

Aar hingegen ist der viel besser zum Adler passende Begriff. Die fliegen immer so abgehoben in den Lüften, wenn sie nicht eine Katze anvisiert haben, auf die sie – zum Adler werdend – hinabstürzen wollen.

Mit der Stadt Aarau hat das wohl gar nichts zu tun. Höchstens, dass die Aarauer, die an der Aare wohnen, und den restlichen im Aargau wohnenden weisse Socken anziehen dürfen. Manche teilen mit Winterthur die gleiche Bahnlinie, was will man mehr? Wer in Winterthur weisse Socken findet, braucht sie nur in die S12 nach Brugg zu legen, dann kommen sie am richtigen Ort an, bei jemandem, der sie anziehen darf, ein schönes Geschenk, viel schöner als die Zeitungen, die man so eigentlich gar nicht nennen dürfte.

Heilige ausgestellt (96)

Das Landesmuseum zeigt mittelalterliche Büsten von Heiligen, die von ihrem Ausdruck nichts verloren haben, es scheint jedenfalls so. Bei näherem Hinsehen kann man bei einigen Büsten den Zahn der Zeit gut erkennen, denn Löcher von Holzwürmern beeinträchtigen die Oberfläche der hölzernen Skulpturen.

Als reformiert Aufgewachsener war mir die Welt der Heiligen eine ganz neues Erlebnis. Die Idee, dass man für jeden wichtigen Stand oder auch Berufsgattung einen Heiligen hat, den man anrufen kann, scheint mir deshalb auch ziemlich fremd und erinnert fast schon an eine polytheistische Ordnung, wie sie die Griechen oder Römer kannten, um dies aber wirklich zu beurteilen, will ich mich mehr mit den Heiligen auseinandersetzen.

Was ich nämlich äusserst spannend finde, sind die Legenden, die sich rund um die Heiligen herausbilden. Auch die bildende Kunst, wie sie gerade im Landesmuseum zu bestaunen ist und sie im Mittelalter betrieben wurde, ist erstaunlich. Es gibt nämlich äusserst feine Darstellungen, die eine Präzision zeigen, die das Vorurteil des dunklen Mittelalters mit einem Blick wegfegen.

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Zum Bild: Ausschnitt eines Fotos einer Maria Magdalena Statue, die nicht an der Ausstellung zu sehen war. Es ist von Nick in Exsilo und hier zu bewundern.

Dennoch wird auch die Ausstellung mit verschiedenen Lichteinstellungen gezeigt: Auf der einen Seite die mittelalterlichen Heiligen, die auch heute in der katholischen Kirche ihren Platz finden, auf der anderen Seite ein hell beleuchteter Raum, an dessen Wänden Worte zu finden sind. Ganz nach Luthers Leitspruch der Reformation «sola scriptura sui ipsius interpres». Es sind Worte von Reformatoren zu lesen, die ihrerseits Kommentare zum Umgang mit Bildern machen.

Liegt da eine Bewertung von Bild und Wort vor, wenn das Wort so hell und klar dargestellt wird, die Büsten aber in eher düsteren Räumen? – Oder sind das einfach Lichtverhältnisse, die aus konservatorischen Gründen gewählt wurden und den Besucher nicht zu interessieren haben? Sonst scheint nämlich die Wahl der verschiedenen Medien gut aufeinander abgestimmt, denn die Musik, die aus den Kopfhörern kommt und mit dem Verlassen eines Raumes automatisch wechselt, ist äusserst gelungen mit den plastischen Bildern der Heiligen kombiniert.


#7: Aaltierchen im All (95)

Aalglatt soll ein Wort sein, kennen muss man es nicht. Arschglatt ist besser, aber noch nicht an der Reihe, falls überhaupt einmal.

Aall, sogar mit phonetischer Schrift transkribiert, und das im Duden, im ganz normalen, haut mich gleich aus den Socken, sonst sind die äusserst knausrig mit Transkripten, dafür braucht man dann einen separaten, der keine gelbe Farbe hat. Ach, der arme Philosph Aall muss sich mit einer solchen Beschreibung zufrieden geben, mehr kommt nicht, da kann der Leser sich noch so lange besinnen und die drei verschiedenen Buchstaben anstarren, sie verschwimmen höchstens, werden so gross wie das All und dann zum Fadenwürmchen, dem Aaltierchen.

#6: Der elektrisierte Aal (94)

Ach, der Aal, ein Fisch. Die einen lieben ihn lieber auf dem Teller, als dass sie ihm in freier Wildbahn begegnen möchten. Die anderen wollen ihn im Zoo anschauen. Der Züri Zoo hat auch solche tollen Fische. Die einen, ich glaube, das waren die Zitteraale, können Spannungen erzeugen, die im Wasser messbar gemacht werden können. So unglaublich, dass jüngere Begleiter Panik vor den Viechern bekommen, obwohl sie hinter Glas ausgestellt sind und keine Ausbruchversuche machen.

Dazu passt auch gleich noch das Verb, das danach steht: aalen soll umgangssprachlich bedeuten, dass man sich behaglich ausgestreckt ausruht. Auch wenn der Aal sich in seinem Gehege nicht so wahnsinnig behaglich ausruht, wollen wir dem Sinn des Verbs nicht weiter auf den Grund gehen, der Druck unter Wasser ist uns zu gross.