Blogger lesen kein Papier (77)

Bis jetzt haben sich erst zwei Blogger an der Blogparade zur Lektüre auf dem Nachttisch beteiligt. An was mag das liegen? – Eine allgemeine Abneigung von Bloggern gegenüber Blogparaden? – Das wohl eher weniger, wer auf slug.ch nur schon das Wort «Blogparade» eintippt, findet am 17. Januar 2008 über 180 Beiträge, die etwas mit Blogparaden zu tun haben.

Lesen Blogger gar nicht?

Der Hund liegt wohl an einem anderen Ort begraben, aber wo denn bloss? Ist es so, dass Blogger – weil sie zu viel schreiben – schlichtwegs keine Zeit zum Lesen aufbringen können? Auch daran kann es wohl nicht unbedingt liegen, denn viele Leute bloggen über das, was sie gerade im Internet gelesen haben.

Amazon trägt Schuld

Wie wir unlängst lesen konnten, wird Papier vom Amazon Kindle zurückgedrängt, einem Gerät, das sich anscheinend gut zum Lesen ab Bildschirm eignet. Nicht nur scheint das Ding viel leichter zu sein als wenn man sich tonnenweise Papier in den Koffer packen müsste, er verdrängt gleichzeitig den Bücherberg vom Nachttischchen.

Wer dennoch – wie Goggi oder André – noch Bücher auf dem Nachttisch hat, kann sich ja noch bis zum 29. Februar an der Blogparade beteiligen.

Farbe verbindet (76)

Sie fordert auf, Farbe zu bekennen. Dabei geht es darum, Geschmack zu zeigen. Auf eine farbige Schweiz, setzen intelligente Leute mit schwarzen Lettern. Fertig mit Schwarz-Weiss-Klischierung. Das Papier bekennt Farbe. Aber nicht roter Grund und weisses Symbol. Färblein, wir brauchen Färblein.

Logo-Anpassungen verhelfen den verbindenden Firmen zu einem farbigeren Image. Farbverläufe sind plötzlich in! Farben überall, wie Gummibälle in den Strassen. Wie Meerestiere auf der Shopping-Tour, einfach farbiger.

Beim Shoppen helfen noch andere. Notenbanken pumpen Milliarden ins System. Scheine fast wie eine Wiese im Frühling mit Krokussen, Narzissen. Nördlich der Gallia Cisalpina. Narzisstischer als Narziss. Und farbiger als Narzissen.

Es blüht schön, immer schöner. Die Blüten wandern akzeptiert, von Narziss zu Narziss. Zu viel Pump. Noch mehr Blut auf der Bank. Fertig, Millizsystem, wo ist die Farbe? Zu kreativ, nicht geladen? Fertig Schnee, die Grenzlinien sind aufgehoben.

Wir warten auf Zeus, mit Europa. Offene Arme statt Farbkessel.

Radio im Ehrenamt (75)

Mit byte.fm geht in einer halben Stunde ein Radio auf Sendung, das Musik entdecken will. Nicht wie last.fm, wo der Hörer selbst aktiv werden muss, um Musik im gewünschten Stil zu bekommen und gleichzeitig Neues zu entdecken, sondern als moderierte Sendung.

Im Interview mit der Zeit verrät Ruben Jonas Schnell, dass die Moderatoren vorerst ehrenamtlich mitarbeiten werden.

Das Radio will auch Musik entdecken: Sendungen mit klingenden Namen wie «Was ist Musik?», «Zimmer 436», «Tropeninstitut» wird – so das Ziel – das Hörspektrum erweitert. Dann freuen wir uns doch schon mal auf ein engagiertes Webradio. Auf einen guten Start!

Momentan präsentiert sich das Radio im Internet noch folgendermassen:

byte.fm vor dem Start

Update:

Das Radio ist jetzt online. Wie gerade im Blog vermeldet, gibt es noch ein paar servertechnische Probleme. Wenn das nur gut geht, ein Internetradio, bei dem die Server nicht machen, was die Sendeleiter wollen?

Update vom Update:

Jetzt ist alles wieder da. Und man kann wirklich etwas hören, auch wenn nur Bit um Bit, Byte um Byte vom Server auf die Boxen tröpfeln. Was ich bis jetzt gehört habe, klingt ziemlich spannend.

Blogparade: Lektüre auf dem Nachttisch (74)

Blogparaden zur Literatur gibt es noch fast keine. Über Technisches, Metathemen zu Blogs und Politik jedoch massenweise. Liegt es daran, dass sich niemand an einer solchen Parade über Literatur beteiligen würde?
Lasst es uns testen! Wir wollen herausfinden, was auf den Nachttischen liegt.

  1. Wie viele Bücher warten darauf, endlich fertig gelesen zu werden?
  2. Was schätzt du an den Büchern, die auf dem Nachttischchen liegen?
  3. Welche der Bücher, die du noch fertig lesen willst, empfiehlst du, auch zu lesen?
  4. Was wird das nächste Buch auf dem Nachttisch?
  5. Was für Bücher liest du sonst so, die du empfehlen willst?

Ich würde mich freuen, wenn sich einige dafür erwärmen könnten, Antworten auf diese Fragen zu formulieren. Mitmachen kann man an dieser Blogparade ganz einfach: Mittels Trackback/Pingback zu diesem Beitrag ist man dabei! Es wird Auswertungen zu dieser Parade geben. Ich freue mich auf eure rege Teilnahme! Das Weiterempfehlen dieser Blogparade ist nicht verboten.

Das Ende dieser Blogparade soll der 29. Februar 2008 sein. Schliesslich will der zusätzliche Tag ausgenutzt sein.

Literatur kann auch heilen (73)

Blake Morrison hat beim Guardian einen äusserst rührenden Artikel über das Lesen als Therapie veröffentlicht. Bibliotherapie scheint in Grossbritannien so richtig en vogue zu sein.

Lustigerweise – oder sollte man sagen glücklicherweise? – vertritt der Artikel eine Meinung, die derjenigen aus dem «Lesen und Glück»-Beitrag völlig widerspricht.

In Gruppen lesen diejenigen, die eine Bibliotherapie über sich ergehen lassen:

„The usual pattern is for a complete book to be read aloud, cover to cover, at weekly sessions, which for a group spending an hour a week on a Dickens novel can mean six months devoted to a single work.“

Das gemütliche Zusammensein und gemeinsame Lesen, Woche für Woche schweisst die Patienten mit verschiedensten Krankheiten, darunter auch Parkinson oder Alzheimer, anscheinend zusammen und lässt sie ihre Krankheiten in den Hintergrund treten.

Medizinisch gibt es dafür keine Erklärungen, Blake Morrison wagt gar den Vergleich mit Homöopathie, die gemäss Angaben vieler Menschen gegen Beschwerden nützen, obwohl teilweise gar keine Wirkstoffe festgestellt werden können.

„People who don’t respond to conventional therapy, or don’t have access to it, can externalise their feelings by engaging with a fictional character or be stimulated by the rhythms of poetry.“

Wenn das wirklich funktioniert, eine wahrlich sagenhafte Art der Therapie. Diese Art der Therapie wäre mir persönlich viel lieber als ein Medikamente-Cocktail, dem man die Nebenwirkungen schon sieben Kilometer gegen den Wind ansieht.