Neuland

Wohin gehst du, Neuland?

Endlich wagt es David Bauer in der Sonntagszeitung, der NSA-Debatte einen neuen Kontext zu geben. Sein Artikel «Wir sind nicht selbst schuld» argumentiert dafür, die beliebte Schlussfolgerung aus der NSA-Affäre zu hinterfragen, dass man selbst Schuld sei am Debakel. Das beliebte Argument, dass man selbst Schuld sei, wenn die Daten bei der NSA landen, wenn man sie zuvor auf Facebook und Co. ins Netz stellt, sollte nicht ziehen, weil es verkürzt ist .

Damit sollte es jetzt endlich möglich werden, nicht mehr  verkürzt über diese ganze Affäre nachzudenken. Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn die öffentliche Debatte eine solche Wendung nehmen könnte. Und dies insbesondere mit der Schlusspointe des Artikels: Er fragt, was wohl passiert wäre, wenn man in der Fichen-Affäre die Konsequenz gezogen hätte, einfach keine Spuren mehr zu hinterlassen oder sich unauffällig zu verhalten. Dem kann man nicht laut genug zustimmen, denn die Nutzer haben nicht das Einverständnis gebgeben, die Daten an direkt an die NSA weiterzuleiten.

Als Netzbürger sollten wir die Möglichkeit wahrnehmen, das Neuland aktiv mitzugestalten, darüber zu debattieren, was im Netz passieren soll und geschehen darf. Wenn man diese Fragen mit der Schuldfrage verwechselt, ist es kein Wunder, wenn sich Ernüchterung über das Netz breit macht.

Löschen oder

Entweder löschen oder mal irgendwas machen hier, habe ich in letzter Zeit oft gedacht. Wenn da nichts Neues mehr steht, dann funktioniert diese ganze Sache nicht. Dabei merken, dass ich etwas vermissen würde, wenn ich auf die Taste drücken würde. Und dann auch immer wieder diese Dinge bei _ben (Eine feste Burg ist unser Blog) oder bei nuss sehen, die mich so wahnsinnig erfreut haben in der Zeit, in der ich an meiner Arbeit sass, und von der ich mich jetzt ausgiebig erholte, da einfach nicht mehr dazugehören?

Die Entscheidung ist einfach. Weiter im Text, so wie ich das nachts um zwei immer wieder zu mir sagte, als die Abgabeschranke immer näher kam, und dabei lernte, dass man mit drei Espressi gut durch die Nacht kommen kann. Und deshalb auch wieder weiterschreiben im neuen Jahr, weil da etwas fehlte im alten. Und natürlich auch in den Kleinstadtbildern bei Coucou drüben.

Netzkritik

In letzter Zeit sind einige interessante netzkritische Beiträge erschienen. Ich benutze diesen Post, um eine fortlaufende Liste zu pflegen.

18. Oktober 2013 NZZ: Die Bilder und die Leere – Warum Facebook unglücklich macht http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/die-bilder-und-die-leere-1.18169218

19. Oktober 2013 Tages Anzeiger: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Facebook-macht-uns-hohl-und-narzisstisch/story/23147138

Verdammte Fotogläubigkeit. Oder die Geschichte vom auslaufenden HP-Gerät

Wir brauchen einen Beweis dafür, dass es HP-Patronen waren, die im Gerät waren, als es ausgelaufen ist, bitte schicken Sie uns ein Foto von Ihrem Gerät, damit wir sehen können, ob wirklich Tinte ausgelaufen ist. So wird man vom investigativen Kundenservice von HP abgewiesen, wenn Konstruktionsmängel an Geräten dazu führen, dass Tinte ausläuft und das Parkett verschmutzt.

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Nein, ich kann keine Fotos mehr machen, weil ich das Gerät dem Recycling zugeführt habe, weil ich nicht möchte, dass noch grössere Schäden durch auslaufende Tinte entstehen. Wissen Sie, nur Fotos können beweisen, dass Sie Originaltinte verwendet haben. Rechnungen von Tintenpatronenkäufen beweisen nichts, die könnte man auch in andere Drucker einsetzen. Und auch nur Fotos können beweisen, dass überhaupt Tinte ausgelaufen ist.

Wie schön, wenn Techniker per Fotodiagnose sagen können, dass es sich um Originaltinte gehandelt hat. Es könnte ja auch von einem Konkurrenzgerät kommen. Ja das könnte sie, das könnte sie aber genauso gut mit Foto. Und wie schön, wenn Fotografie dem Kundendienst alle Argumentation erspart.

Verschmutzte Servicestation HP Officejet Pro 8500
Verschmutzte Servicestation HP Officejet Pro 8500

Sie wollten ein Foto des Raumes, in dem der Drucker stand, damit sie einschätzen können, wie gross der Fleck im Vergleich zum Zimmer war. Der Fotografie könnten sie vertrauen. Aber wie ging das mit Roger Fentons Kriegsfotos genau? Die Kugeln, die man platzierte und nicht herausfand, wie sie wirklich gelegen hatten? – Ja: Believing is Seeing. Dem Fotografen vertraut man blind – Bildvertrauen, versteht sich. Ganz unironisch! Wenn die geplagten Kunden keine weiteren Bilder liefern können, weisen sie alle Anfragen ab. Man merkt, der Kundendienst fühlt sich schon sehr kulant, dass er die Anfrage überhaupt bearbeitet, obwohl die einjährige Garantiefrist für dieses Teufelsgerät schon abgelaufen ist. Am besten installiert man vor dem Drucker eine Webcam, die jede Minute ein Bild vom Drucker macht, dann ist man auf der sicheren Seite, weil sie einen direkten Zugang bekommen können. Guten Morgen, NSA (Äh nein, Hewlett Packard)!

Ich hatte im Telefongespräch versprochen, ich würde Werbung für HPs kundenfreundlichen Geräte machen. Da ist sie. Und das war das letzte Gerät aus dieser Firma, das ich zu Grabe getragen habe.

RIP, Officejet Pro 8500, du kannst ja nichts dafür, dass du von schlechten Eltern bist.