Schneeknirschen

Schnee macht alles leise. Flugzeuge scheinen weiter entfernt, Autos fahren langsamer und leiser. Motorenrauschen verschwindet im Schneetreiben. Unter Schuhen knirscht es auf diese schneeige Weise, um uns herum ist alles weiss.

Nur manchmal wird das alles unterbrochen. Dann macht Schnee Krach. Morgens, wenn wir im Bett liegen, weckt uns Motorengeräusch. Jemand rennt hinter der Maschine her und räumt die Decke weg.

Planen

Schreiben planen dünkt mich immer noch eine der schwierigsten Aufgaben. Eine Schreibberaterin hat mir einmal dabei geholfen, damals ging es ganz gut. Das Rezept war so einfach wie umsetzbar: Schreiben Sie alles auf, was Sie machen müssen. Zuerst streichen Sie alle Termine ab, die Sie wahrnehmen müssen. Und darum herum planen Sie dann. Damals habe ich mir Zeitpläne ausgedruckt und jede Woche zehn Minuten in die Planung investiert. Das war gut.

Heute habe ich mich daran erinnert und leere Pläne aus iCal ausgedruckt, in die ich meine Seminare im Voraus eingetragen habe. Dann habe ich mir die Abgabefristen angeschaut und im Überblick bemerkt, dass es in den nächsten Wochen ganz schön eng aussieht. Dass es eng werden würde, das habe ich mir vorgestellt oder erahnt. Aber dass es gleich so aussehen würde, das hätte ich mir nicht erdacht. Dann habe ich bemerkt, dass ich schon unglaublich lange nicht mehr gebloggt habe. Es stellte sich heraus, dass dies der Zeitpunkt ist, endlich etwas übers Planen zu schreiben, damit ich mich im Blog wieder daran erinnern könnte, dass ich mit diesen übersichtlichen Plänen arbeiten muss, damit ich die Zeit richtig einschätzen kann.

Und die Schreibberaterin meinte, ich müsse auch mal hart mit mir sein, wenn ich mir so enge Termingrenzen setze. Dann gebe es nichts Anderes als im Unglücksfall auch einmal etwas abzusagen.

Aber es regt sich Widerstand: Ich will doch auch spontan bleiben. Der Plan: So spontan wie ein Korsett!

Ergon und Energeia

Die Sprache, in ihrem wirklichen Wesen aufgefasst, ist etwas beständig und in jedem Augenblicke Vorübergehendes. Selbst ihre Erhaltung durch die Schrift ist immer nur eine unvollständige, mumienartige Aufbewahrung, die es doch erst wieder bedarf, dass man dabei den lebendigen Vortrag zu versinnlichen sucht. Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine Thätigkeit (Energeia).

Humboldt, Wilhelm von: Sprachbau und Entwicklung des Menschengeschlechts. In: Werke III. Hrsg. von Andreas Flitner und Klaus Giel. Stuttgart, 1963. S. 418.

Grenzen bauen

Neuerdings haben die Städtischen Werke ein «Gitterdepot», wie sie es nennen. Der Weg dorthin ist ausgeschildert. «Eingang Gitterdepot», steht auf einer Tafel, die eigens für diesen Zweck in den Boden eingelassen wurde. Der Weg führt über einen Parkplatz, der selbst mit Gittern aus diesem Gitterdepot eingezäunt ist.

Nach diesem Parkplatz steht man an einer Umzäunung, die an die Pferde erinnert, die vor den Gittern auf diesem Gelände waren. Darin lagert alles, was das Herz eines Begrenzers begehrt. Gitter, Tafeln, Achtungsignale, möglicherweise Stacheldraht. Dies hängt vom Gebrauch ab. Täglich wird eingefahren mit einem Lastauto, das in sich diese Gitter aufnehmen kann, weil eine Stadt wie die unsrige sich begrenzen muss.

Der Weg ist frisch geteert, der Kontrast zwischen dem Kies und dem Teer lässt dies erkennen. Da ist noch diese Linie. Sie drückt die Perfektion der Umgrenzung aus, die in beamtischer Voraussicht und Ästhetik konstruiert wurde. Sie zeigt, wo der Weg fertig ist: Eine Linie zwischen hochreinem Weg und dem bedrohenden Kies.

«Er ist wieder so, wie er war, vor langer Zeit, der schwarze Panther.»

Aus seinem Verlag sind viele Bücher in meinem Gestell. Ein Porträt von Daniel Keel liest sich im Archiv der Zeit. Viele grossartige Leseerfahrungen wären ohne ihn nicht möglich geworden. Das Parfum von Patrik Süskind etwa, Der Besuch der alten Dame neben anderen Dürrenmatts, War meine Zeit meine Zeit von Loetscher, die Reihe wäre noch unendlich fortzusetzen. Denkt man.

Jetzt lebt sein Verlag ohne ihn weiter. Daniel Keel ist heute mit 80 Jahren gestorben, mit ihm ein grosser Literat.