Über den Swiss Myth (51)

Dannie Jost hat heute am Blogcamp 2.0 mit ihrem Referat zum «Swiss Myth» zu sehr interessanten Gedanken über den «Swiss Myth», die Schweizer Politik und die Wahrnehmung der Welt anspornen können.

Die anschliessende Diskussion hat denn auch gezeigt, wie sehr sich eine Beschäftigung mit den Mythen lohnen kann. Und auch die Beschäftigung mit dem Begriff des Mythos, der Bildung von Mythen.

Dass der Umgang mit Mythen durchaus auch Kritik ermöglichen soll, die aus der Beschäftigung mit dem Thema «Mythos» herausgehen kann, zeigten die Reaktionen der Gesprächsteilnehmer. Ein kritisches Hinterfragen der Mythen ist nämlich insofern von Bedeutung, als wir unser Denken mit der Vereinnahmung durch Mythen auf eine gewisse Weise prägen, gar Weltanschauungen mit Mythen erklären.

Gerade wo es zu Erklärungen von Identität kommt, die auf Mythen gründen, ist äusserste Vorsicht geboten. Lustigerweise wurde der Tell-Mythos nicht erwähnt. Dies war wohl dem Thema zu verdanken, das Dannie Jost mit ihrer Schilderung zu den Krawallen in Bern klar in eine andere Richtung gelenkt hat.

Dass der Reichtum der Schweiz nicht auf den natürlichen Rohstoffen gründet, von denen die Schweiz wahrlich nicht allzu viele Vorkommnisse hat ausser Wasser und Gestein, wurde uns von Dannie schön vor Augen geführt. Dass der Reichtum der Schweiz davon abhängt, was die Menschen machen, wird auch durch die Metapher des «blue-collar workers» entwickelt: Corsins Hemd – ein typisches Arbeiterkleidungsstück – trägt das Namensschild «Hacker». Der schönste Beweis dafür, dass Leute, die sich mit Information auseinandersetzen, Informationsarbeiter sind.

Aber auch hier lohnt es sich noch, die unzähligen Fragen, die sich noch stellen, zu beantworten. Alles kommt zu seiner Zeit. Da wären zum Beispiel:

  • Wie entstehen Mythen?
  • Wie beeinflussen Mythen unser Denken?
  • Was leisten Mythen zur Identitätsbildung?
  • etc.

Fragen über Fragen (50)

Überall wird klassifiziert und eingeordnet. Präskriptive Reglemente stellen die Einordner vor komplexe Probleme.
In einer Institution in der grossen Stadt Zürich wird man ganz lustige Sachen gefragt, wenn Entscheidungsschwierigkeiten herrschen.

Zum Beispiel, wenn gleich mehrere Menschen miteinander eintreten: «Sind Sie eine Gruppe?» Wenn man dann mit «Ja» antwortet, wird man darauf aufmerksam gemacht, dass Gruppen sich anmelden müssen und nur mit einem Mitarbeiter in den Raum eintreten darf. Auch eine Umentscheidung, dass man jetzt doch keine Gruppe mehr sei, hilft da nicht weiter. Einmal Gruppe, immer Gruppe.

Damen werden mitunter auch ganz Persönliches gefragt, wenn Klassifikationsschwierigkeiten herrschen: Ist das ein Mantel? – Dann müssen Sie ihn ausziehen. – Nein, das ist kein Mantel. – Ah, gut, dann dürfen Sie das Kleidungsstück auch im Raum drinnen auf sich tragen.

Al Gore und Blog Action Day (48)

Das trifft sich ja wunderbar: Al Gores Nobelpreis und der Blog Action Day. Dieses Jahr ging nämlich der Friedensnobelpreis an den Amerikaner, der sich sehr für den Klimaschutz einsetzt – und dies auch noch, nachdem er es nicht in das höchste Amt der USA geschafft hat, machte er sich verdient für den äusserst angesehenen Nobelpreis.

His strong commitment, reflected in political activity, lectures, films and books, has strengthened the struggle against climate change. He is probably the single individual who has done most to create greater worldwide understanding of the measures that need to be adopted.

Es ist also wegen seinen Aktivitäte, die zu einer besseren Information der Bevölkerung führten, dass Al Gore den Nobelpreis bekommen hat. Und zwar die Information über die Zusammenhänge zwischen menschlichen Aktivitäten auf dem Globus und deren Einfluss auf die globale Erwärmung. Das Geld, das er vom Nobel-Komitee bekommt, will er gänzlich der Alliance for Climate Protection zukommen lassen.

Mit seinem Film An Inconvenient Truth hat Al Gore ein breites Publikum erreicht. Die Vorlesung über die Klimaerwärmung, die auch schreckliche Auswirkungen zeigt, wurde weltweit ausgestrahlt und gehört wohl bereits jetzt zu den Klassikern der Filme, die über Klimaerwärmung informieren, obwohl er erst kürzlich auf DVD herausgekommen ist. Aber wird Al Gore 2008 sich wieder für die Präsidentschaftswahlen stellen?

Ganz sicher ist aber, dass momentan Klimafragen sehr heiss diskutiert werden. Wichtig in diesen Fragen ist vor allem eine internationale Zusammenarbeit, durch die festgelegt wird, wie man die Klimaerwärmung stoppen kann, damit der Spitz des Matterhorns noch weiterhin Touristenattraktion bleiben kann.

Dafür müssten aber alle Staaten zusammenarbeiten. Und wenn sie dies nicht wollen, kann sie auch niemand zwingen dazu… Aber nicht nur die Staaten haben Einfluss in solchen Belangen; auch die Wirtschaft kann ihre Handelspartner beeinflussen. Schliesslich ist es für eine Imagekampagne gut, wenn Unternehmen berichten können, dass sie die Emissionen in China vermindert haben.

Ein globales Denken ist auch deshalb notwendig, weil mit der Globalisierung und dem internationalen Handel durch relativ günstigen Transport die Produktionsstätten verlagert wurden. So wird heute da produziert, wo Arbeitskräfte günstiger sind und Emissionen in den Ländern, in denen konsumiert wird, sinken dadurch, dass die Schwerindustrie nicht mehr in deren Gebiet sind. Sie werden aber genau aus diesem Grund auch in neue Gebiete verlagert.

Es ist also nicht nur an den Staaten, miteinander abkommen abzuschliessen, wie dies beispielsweise mit dem Kyoto-Protokoll gemacht wurde. Es liegt auch an den privaten Firmen und an jedem einzelnen Menschen, seine eigenen Verbrauch und Konsum so einzurichten, dass er vernünftig ist (was auch immer das heissen mag 😉 ).

Der heutige Blog Action Day zeigt aber gerade diese Bereitschaft: Privatpersonen in der ganzen Welt machen sich Gedanken über Klimafragen und versuchen, diese andern Menschen zu übermitteln. Vielleicht bringt er uns einen Schritt weiter zur Lösung?

Abfall Armee (47)

Mit seinen «Trash People» veranstaltet HA Schult Paraden in der ganzen Welt. Sein Heer Abfallmänner hat schon manchen Ort der Welt okkupiert. Die Armee der Männer aus Abfall ist schon weiter gereist als derjenige, der diesen Beitrag verfasst. So war die Masse schon vor den Pyramiden von Gizeh aufgestellt, bevor sie nach Rom an den Piazza del Popolo, zum Pariser Büroviertel La Défense, zum Roten Platz Moskaus, an die Chinesische Mauer oder New York in Verschiebung gingen.

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Foto: Die Armee der Trash People in Zermatt vor dem Matterhorn. (© HASchult)

Abfall kann es weit bringen in der Welt. Davon sprechen auch die Flaschen, die am Meer angespült werden. Im 2008 sollen die Abfallsoldaten auch die Antarktis noch erobern (bevor es eine andere Armee tut).

Ist Abfall eine Armee? Ist die Armee nur aus Abfall? Oder ist Armee Abfall? – Fragen über Fragen, die weder vom Abfall noch der Armee beantwortet werden.