Schöne Weihnachten! (67)

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen schöne Weihnachten! Möge es euch besser ergehen als dem Kellner am Weihnachtsabend.

Der Weihnachtsabend des Kellners

Aller Welt dreht er den Rücken,
und sein Blick geht zu Protest.
Und dann murmelt er beim Bücken:
«Ach, du liebes Weihnachtsfest!»

Im Lokal sind nur zwei Kunden.
(Fröhlich sehn die auch nicht aus.)
Und der Kellner zählt die Studen.
Doch er darf noch nicht nach Haus.

Denn vielleicht kommt doch noch einer,
welcher keinen Christbaum hat,
und allein ist wie sonst keiner
in der feierlichen Stadt. –

Dann schon lieber Kellner bleiben
und zur Nacht nach Hause gehn,
als jetzt durch die Strassen treiben
und vor fremden Fenstern stehn!

(Erich Kästner)

Kreative Karten (66)

Zurzeit sind im Fotomuseum zu Winterthur kreative Ansichtskarten als frankierte Fantastereien zu bestaunen. Bilder von Avantgarde-Künstler ziehen den Bann auf sich, jedes einzelne für sich sprechend, teilweise aber auch innerhalb einer Gruppe von Karten mehr aussagend.

Erstaunlich ist vor allem eines: Trotz der technischen Möglichkeiten, die heute mit Photoshop und ähnlichen Softwarepaketen sind die Karten heute nicht unbedingt kreativer geworden. Collagen, die wohl noch wirklich etwas mit Leim zu tun hatten, zeigen äusserst skurrile Sujets und Zukunftsvisionen von bekannten Grossstädten wie Berlin, Hamburg oder Paris.

Und noch eines: Die Imaginationen im Pfeifenrauch oder in der Seifenblase. Die leere Seifenblase mit der Aufschrift «Ce qui nous manque à tous.» Und dieses fehlt uns wohl heute noch mehr denn je. Postkarten könnten anstelle von allzu kitschigen Portraitaufnahmen der Sehenswürdigkeiten einer repräsentationswürdigen Stadt ruhig noch ein bisschen mehr Kreativität vertragen, denn gerade diese Alltagspostkarten zeigen es, dass die Fotomontage nicht Ausgeburt des Digitalen sind. Vielleicht zeigen die Karten aber auch, dass Kreativität nicht aus dem Computer kommt?

Immer wieder besuchenswert, dieses Fotomuseum.

An den Kindergarten erinnert (65)

Beim Umherfahren erinnert man sich manchmal an etwas. Im Bus waren so viele aufgeregte Kindergarten-Gesichter zu sehen (obschon gar kein Schulanfang war). Aber es war eigentlich gar nicht das, was an den Kindergarten erinnerte.

Vielmehr war es der Buschauffeur, der mit seinen Ansagen die Busfahrt in ein richtiges Abenteuer verwandelte. Nein nicht der Buschauffeur; derjenige im Kindergarten. Er war jeweils der «luschtigi Busschöfför». Es ist unerklärlich, weshalb man diesem Buschauffeur nur das Prädikat lustig verliehen haben, denn hätte er ein grösseres Wort verdient. Daran müsste man sich eigentlich erinnern.

Man wurde begrüsst mit der typischen Flugzeugbegrüssung (als Kind muss man schliesslich wissen, wie sich typische Flugzeugansagen anhören). Mit diesem Pilot-/Buschauffeur war die kurze Strecke noch viel schneller fertig als normalerweise, denn ein Flugzeug muss ja schneller sein als ein normaler Bus, sonst wäre da gar kein Witz dabei. Die Kinder waren überzeugt, der Buschauffeur werde sie irgendwann einmal in einem richtigen Passagierflugzeug statt dem alten Saurer-Bus begrüssen.

Powerpoint-Karaoke mit den Erstsemestrigen (64)

Präsentieren muss man heute eigentlich in jedem Kontext können. Und weil es gerade an der Zeit war, im Tutorat präsentieren zu üben, dachte ich mir, wäre es doch eine ganz lustige Idee, Powerpoint-Karaoke für diesen Zweck auszuprobieren.

Mit zwei Präsentationen aus Einführungskursen der Linguistik (schliesslich sind Linguistinnen und ein paar wenige Linguisten bei mir im Tutorat) durften sich die Damen beweisen, und da haben sie sich ganz locker geschlagen. Ich hätte nicht erwartet, dass das so problemlos vonstatten geht. Auch die jungen Herren haben sich gut geschlagen, obwohl sie das schwierigere Los gezogen haben: Sie durften die Präsentation von Sarah zum Besten geben.

Die Idee der Powerpoint-Karaoke fanden die TeilnehmerInnen ganz amüsant, einige hatten es sich aber leichter vorgestellt, eine Präsentation zu halten, die man nicht selber geschrieben hat.

Ich hatte dummerweise nicht damit gerechnet, dass es heute noch Leute gibt, die nicht wissen, was ein Blog ist. Schon gar nicht unter Studenten, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Jetzt wissen es auf jeden Fall alle, auch wenn sie sich über den Neologismus gewundert haben dürften. Die Beschreibung mit den «Klowänden des Internets» fanden sie dann auch ziemlich treffend. Und den Aspekt der Demokratisierung fanden sie ganz spannend.

Zur Lektüre der Liz-Arbeit von Sarah bin ich leider noch nicht gekommen, wenn sie aber so interessant ist wie die Präsentation am Blogcamp, dann freue ich mich schon darauf. Es wird aber wohl irgendwann zwischen Weihnachten und Februar, bis ich hier etwas darüber schreiben werde.

Von Bibliotheken (63)

Die NZZ hat heute (Lebens-)berichte von Autoren und Wissenschaftlern mit ihren Büchersammlungen gebracht. Viele gehen auf die Erlebnisse mit ihren ersten Büchern (oder den ersten Frauen) ein, die nicht immer einfach waren.

Die Textarchive sind bei den meisten nicht so sehr geordnet, dass auf Anhieb dasjenige gefunden wird, was der eigentliche Beweggrund für die Suche in der Büchersammlung gewesen wäre; auf der Suche wird noch viel mehr wiedergefunden und neuentdeckt.

Schön, dass die NZZ Blicke in die privaten Bibliotheken von Damen und Herren gewährt. Gleichzeitig zeigen die Berichte, dass Unordnung auch eine Ordnung sein kann und man sich beim Bändigen der eigenen, wenngleich auch viel bescheideneren, Büchersammlung Zeit lassen kann, bis sich die Ordnung von alleine ergibt.

Folgend noch die Links zu den lesenswerten Artikeln, die in der NZZ erschienen sind:

Update vom 2.12.07: Passend dazu auch der Text, der am 21. April 2006 bei der Wiener Zeitung erschien: Wer hat meine Bücher?